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Randerscheinung: Studienkrise

05.12.2017 | 08:38 |  Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Ich habe zu viele Elternsätze gesagt,, die vielleicht nicht so gut zu den „Ich weiß genau, was du meinst“-Gefühlen gepasst haben.

 

„Ich bin mit unserem Gespräch nicht zufrieden“, meint der Älteste ein paar Stunden, nachdem wir über seine erste Studienkrise gesprochen haben. Gut, er wollte eigentlich noch gar nicht darüber reden, sondern sich vorher in Ruhe ein paar Gedanken zu möglichen Alternativen (andere Studienrichtung?) machen. Aber ich habe ihm trotzdem voreilig ein paar Gedanken fürs Gedankenmachen mitgegeben. Das hängt auch damit zusammen, dass ich mich in Studienkrisen aufgrund eigener Erfahrungen quasi als habilitiert betrachte. Doch dann habe ich zu viele Elternsätze gesagt (sinngemäß so etwas wie: „Das ist nicht immer alles so, wie man sich das vorstellt“, „So ein Studium ist nicht nur das reine Zuckerschlecken“, „Man muss sich halt auch einmal durchbeißen“), die vielleicht nicht so gut zu den „Ich weiß genau, was du meinst“-Gefühlen („Das ist auch urschwierig“, „Ich möchte das nicht mehr alles entscheiden müssen“, „Da ist auch eine Menge Glück dabei“) gepasst haben, die ich gehabt habe. Weil ich natürlich genau weiß, was er meint, wenn sich das alles gerade nicht so anfühlt, wie man sich das Studieren während der nicht enden wollenden Schulzeit vorstellt. Weniger interessant, weniger einfach, weniger klar. Mehr fremdbestimmt, mehr mühsam, mehr nach Kompromiss. Wahrscheinlich wäre das Gespräch theoretisch gar nicht so schwer: Als der, der noch seinen Weg sucht, will man nur einmal deponieren, dass man sich eben noch nicht sicher ist, wie das alles (und man selbst) ist und werden könnte, man halt noch Zeit braucht und vor allem die Erlaubnis, mit Sicherheitsnetz herumzuprobieren. Und als der, der gefragt wird, will man sagen: „Mach dir keinen Stress, du machst das alles eh so gut, das wird schon, so oder so.“ Schau, war ja gar nicht so schwer.

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