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Randerscheinung: Osternest unterwegs

30.03.2018 | 11:40 |  Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Wer sich den Unterschied zwischen digitaler und analoger Welt plastisch machen will, sollte auf die gute alte Post gehen

Bild: (c) Carolina Frank 

Es ist also derzeit ein Osternest für den auf Auslandssemester befindlichen Sohn auf dem Weg über den Atlantik. Wer sich übrigens den Unterschied zwischen digitaler und analoger Welt wieder einmal plastisch machen will, sollte auf die gute alte Post gehen, mit dem Ansinnen, ein Paket nach Nordamerika zu schicken, nämlich nicht in eine der großen Me tropolen. "Uiii" ist da die verschreckte Reaktion des Paketdienstleisters hinter der Budel, da müsse er erst selber einmal nachschauen, wie das überhaupt gehe, was das denn koste und vor allem wie lang das dauern könne. Die Zalando-Schlange hinter mir nimmt diese außertourliche Verzögerung nur äußerst ungnädig zur Kenntnis. Die letztgültige Auskunft, zwölf bis 20 (!) Werktage, legt nahe, dass sich das bis Ostern vielleicht gar nicht mehr ausgehen könnte. Dafür immerhin bis zum Geburtstag im Juni ganz locker.

Digital klappt dafür alles wie am Schnürchen mit dem Mittleren. Skypen am iPad auf dem Wohnzimmertisch ist fast so, als wären wir alle fünf in einem Raum. Und auch die Mails kommen ohne Verzögerung, wenn sie denn kommen. Ob ich etwas dagegen habe, wenn er im Sommer mit Freunden drei Tage aufs Frequency gehe, schreibt da der Sohn, der offenbar schon für seine Rückkehr plant. Ich käme mir ehrlich gestanden komisch vor, sage ich, ihn monatelang allein auf einen anderen Kontinent zu lassen, ihm aber dann drei Nächte im Zelt bei St. Pölten zu verbieten. Und wie s ihm denn sonst so gehe, schiebe ich unauffällig die Frage nach, die mich am meisten interessiert und auf die ich immer nur indirekt Antwort bekomme. Übrigens auch diesmal nicht. Dafür haben wir noch nie ein Osternest so weit weg versteckt. Bleibt nur die Frage, ob es ihn finden wird. Frohe Ostern!

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