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Randerscheinung: Die Erschöpfung als Instrument

13.05.2010 | 15:54 |  von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Es hat offenbar ein drittes Kind gebraucht, um meine drängendste Frage an die Natur zu beantworten: Warum bringen Babys ihre Eltern an den Rand des physischen und psychischen Zusammenbruchs, wenn sie doch zu hundert Prozent von ihnen abhängig sind? Gut, heutzutage im wohlhabenden Österreich meinetwegen, aber dazumals, als wir noch jagten, sammelten und herum­nomadierten? Wie konnte das Baby riskieren, dass der übermüdete Vater auf der Jagd den Säbelzahntiger übersieht oder die Mutter in der Bauchhöhle des Mammuts erstickt, weil sie beim Ausnehmen mit dem Gesicht voran im Gedärm eingeschlafen ist? Wäre es aus Sicht der Arterhaltung nicht viel vernünftiger, Babys würden rundum pflegeleicht zur Welt kommen?

Nein, nein, meint der kluge Kollege auf dem Gang und räumt mir gleich einmal meinen verspießt-romantischen Zugang herunter, der da von Eltern als Einheit ausgeht. Der Mann, dem es um die Weitergabe seiner Gene gehe (und selbstredend nicht um diese eine Frau da), habe Interesse daran, dass die Mutter durch die Schwangerschaft und das Tyrannenbaby genau so weit geschwächt werde, dass ihr gerade noch genug Kraft bleibe, um sein Kind aufziehen zu können, aber sicher kein Fuzerl Energie mehr übrig sei, um an irgendwelchen Aktivitäten interessiert zu sein, die unter Umständen Kinder mit anderen Männern nach sich ziehen könnten. Sprach’s und verschwand in der Wissenschaftsredaktion.

Mir ist zwar noch nicht hundertprozentig klar, was die Frauen von dieser evolutionären Aufteilung haben (gut, Darwin war ein Mann), aber eines ist sicher: Ich sollte mich zu Hause weniger engagieren, damit meine Frau auf keine blöden Gedanken kommt. Und meine Gene hätten es vielleicht wirklich gerne, etwas breiter gestreut zu werden. Wenn es die Natur partout so will.

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