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Gal Gadot: „Von wegen brennende BHs“

17.06.2017 | 18:28 |  von Patrick Heidmann (Die Presse)

Von Miss Israel über „Fast & Furious“ bis hin zu „Wonder Woman“. Die Schauspielerin Gal Gadot spricht im Interview über ihre Rolle als Comicheldin Wonder Woman, deren feministische Bedeutung und ihre eigenen Vorbilder.

Gal Gadot spielt als Wonder Woman die ersteweibliche Superheldin. „Wonder Woman ist ohne Frage eine feministische Ikone“, sagt die Schauspielerin. / Bild: (c) REUTERS (Luke MacGregor) 

Mit 19 Jahren wurde Gal Gadot zur Miss Israel gewählt, vier Jahre später gab sie in einer Fernsehserie ihr Schauspieldebüt, und nun spielt sie in „Wonder Woman“ die ikonischste (und in den USA bereits erfolgreichste) Comicheldin der Kinogeschichte. Dazwischen lagen: ein erfolgloses Vorsprechen als Bondgirl in „Ein Quantum Trost“, zwei Jahre Militärdienst in der Heimat, eine Rolle in der „Fast & Furious“-Reihe und die Geburt zweier Töchter. Langes Ausruhen auf dem Erfolg ihrer ersten großen Blockbuster-Hauptrolle ist für Gadot nun nicht angesagt: Bereits im November wird die 32-Jährige in „Justice League“ erneut als Wonder Woman zu sehen sein.

 

Frau Gadot, haben Sie eine Erklärung dafür, warum es so lange gedauert hat, bis eine ikonische Comicfigur wie Wonder Woman ihren eigenen Film bekommen hat?

Gal Gadot: Ich würde mal vermuten, dass das durchaus mit der Tatsache zu tun hat, dass sie eine Frau ist (lacht). Aber diese Frage müssen Sie natürlich den Studiobossen stellen. Ich bin in gewisser Weise ja dankbar, dass es so lange gedauert hat und ich dadurch nun die Chance bekommen habe, Diana zu spielen. Ich liebe diese Rolle.

Was genau lieben Sie an ihr?

Ich bin nicht mit den Comics aufgewachsen, deswegen hatte ich nicht diesen unmittelbaren persönlichen Bezug zu der Figur. Aber so, wie sie nun in unserem Drehbuch angelegt ist, finde ich sie enorm inspirierend. Weil sie so gut und rein und positiv ist. Sie glaubt an das Gute, was ja heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist. Und ich gehe davon aus, dass nicht zuletzt viele Mädchen sich mit Dianas Entwicklung identifizieren können, die erst eine behütete junge Frau ist und dann zu einer deutlich komplizierteren Person reift.

Hat Wonder Woman auch eine feministische Bedeutung für Sie?

Selbstverständlich. Wonder Woman ist ohne Frage eine feministische Ikone. Und zwar für Frauen und Männer, Mädchen und Jungs. Denn wenn es um Feminismus, Gleichberechtigung und weibliche Selbstermächtigung geht, wird oft der Fehler gemacht, die Männer außen vor zu lassen. Nicht zuletzt deswegen hat das Wort Feministin vermutlich bei vielen Menschen auch immer noch so einen schlechten Ruf, von wegen brennende BHs und unrasierte Achseln. Dabei geht es doch beim Feminismus nicht um Männerhass, sondern um gleiche Rechte und Chancen. Jeder Mensch sollte Feminist sein. Wer es nicht ist, ist ein Chauvinist.

Ist das auch die Botschaft des Films?

In gewisser Weise sicherlich. Das Erfrischende an Wonder Woman ist ja, dass sie auf einer Insel aufwächst, auf der nur Frauen leben. Wenn sie dann in die Welt der Menschen kommt, bemerkt sie schnell, wie unterschiedlich Männer und Frauen behandelt werden. Das ist für sie befremdlich, denn sie kennt keine Gender-Unterschiede. Deswegen wollte ich Wonder Woman auch nicht als dominant zeigen, obwohl sie eine Göttin und die mächtigste Frauenfigur im Blockbusterkino ist. Für das Publikum ist eine Figur zugänglicher, die auch Fehler und Sanftheit hat.

War es unerlässlich, dass „Wonder Woman“ von einer Frau inszeniert wird?

So würde ich das nicht sagen. Und ich bin auch sicher, dass Patty Jenkins den Job nicht nur bekommen hat, weil sie eine Frau ist. Sondern weil sie die Beste für den Job war. Womit ich nicht sagen will, dass es nicht auch eine besondere Qualität hatte, für diese Geschichte mit einer Frau auf dem Regiestuhl zusammenzuarbeiten. Denn anders als ein Mann hat Patty am eigenen Leib erlebt, wie es ist, als Mädchen in einer Welt aufzuwachsen, in der man irgendwann realisiert, dass sie verdammt kompliziert ist – und für Frauen eben noch ein bisschen komplizierter als für Männer.

Diese ikonische Figur wird man künftig immer mit Gal Gadot verbinden. Ist das nicht ein ziemlicher Druck? Sind Sie dafür bereit?

Puh, keine Ahnung. Aber ich weiß vom Kinderkriegen, dass man nie sicher ist, ob man dafür bereit ist – bis es so weit ist. Man darf sich einfach nicht zu sehr den Kopf zerbrechen, das bringt nichts.

Vermutlich werden Sie für viele Mädchen ein Vorbild sein. Hatten Sie selbst früher welche?

Ich habe immer noch welche. Es gibt so viele tolle, kluge Frauen, und natürlich auch Männer. Das reicht von meiner Mutter über Maya Angelou bis hin zu einer Freundin, die spielend ihre Arbeit und drei Kinder unter einen Hut bringt.

Steckbrief

Gal Gadot wurde 1985 in Israel geboren. 2004 wurde sie Miss Israel und arbeitete zuerst als Model.

Von 2009 bis 2013 war sie in der Filmreihe „The Fast and the Furious“ zu sehen. In der Comicverfilmung „Batman v Superman: Dawn of Justice“ übernahm Gadot 2016 die Rolle der Wonder Woman, als die sie auch jetzt – diesmal als Hauptdarstellerin – zu sehen ist. Gadot ist verheiratet und hat zwei Töchter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2017)

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