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Tom Holland: Unfassbar viele Sit-ups

15.07.2017 | 18:01 |  von Kurt Zechner und Gini Brenner (Die Presse)

Im neuesten Kino-Reboot der Geschichte vom Spinnen-Superhelden Spider-Man schlüpft der Brite Tom Holland ins unbequeme Netzkostüm – eine spannende Herausforderung für den 21-jährigen Tänzer und Schauspieler.

Tom Holland ist als Superheld in den neuen „Spider-Man“-Filmen zu sehen. / Bild: (c) APA/AFP/VALERIE MACON (VALERIE MACON) 

Beim dritten Mal wird alles gut. Nach Sam Raimis hochgelobter „Spider-Man“-Trilogie mit Tobey Maguire in der Titelrolle und Marc Webbs beiden weniger erfolgreichen „The Amazing Spider-Man“-Filmen mit Andrew Garfield als „Die Spinne“ schlüpft nun in „Spider-Man: Homecoming“ der 21-jährige Brite Tom Holland in den ikonischen rotblauen Stretch-Anzug. Kurz gastierte er damit ja schon in „The First Avenger: Civil War“, jetzt bekommt er – im Rahmen der Mega-Franchise „Marvel Cinematic Universe“ – seinen ersten eigenen Film, mit dabei sind Marisa Tomei als Peter Parkers Tante May, das Teenie-Idol Zendaya als Peters Mitschülerin, Michael Keaton als Superbösewicht The Vulture und Robert Downey Jr. als Iron-Man/Tony Stark, der, ganz im Sinne der Comic-Universum-Idee, Peter Parkers väterlichen Freund gibt.

 

In den letzten zehn Jahren gab es ja bereits zwei Film-„Spidermänner“, die in der Kinolandschaft immer noch recht präsent sind. War das nicht eine ziemlich große Herausforderung, sich da nach vorne zu spielen?

Tom Holland: Spider-Man ist so eine beliebte Figur, speziell immer bei den ganz Jungen. Für mich selbst hatte Spider-Man als Kind so einen großen Einfluss auf mein Leben, speziell in den Filmen mit Tobey Maguire – um so aufgeregter war ich, für die Kids dieser nachfolgenden Generation eine neue Version abzuliefern. Spider-Man-Filme kommen mehr oder weniger alle zwei Jahre raus, das ist irgendwie wie bei James Bond: Man wechselt die Hauptdarsteller und redet gar nicht viel darüber. Und ich glaube, die Fans werden diese neue Version auch sehr mögen.

 

Wie klappt das, jemanden zu spielen, der sechs Jahre jünger ist? Wenn man wie Sie erst 21 ist, ist das ja ein ziemlicher Quantensprung?

Ach wissen Sie, in Wahrheit bin ich innerlich immer noch 15 Jahre alt. Also war das gar nicht so schwer, wie Sie glauben (lacht). Ich habe einfach versucht, mich an mich selbst mit 15 zu erinnern: einfach so überschäumend und ungeschickt wie möglich zu sein.

 

Wie fühlt es sich an, sich durch die Häuserschluchten zu schwingen, und welches spezielle Training haben Sie dafür absolviert?

Das Schwingen schaut geil aus und fühlt sich auch geil an – für maximal fünf Minuten. Ab dann wird es wirklich unangenehm und sehr anstrengend. Schon allein wegen des Kostüms: Diese Anzüge sind sehr eng, ich bin ein Mann, und es spannt doch sehr an Stellen, wo man das nicht so gern hat. Dadurch, dass ich ja ausgebildeter Tänzer bin, war mein Training nicht viel intensiver als bei meinen anderen Jobs. Etwas mehr Körperstabilität musste ich mir antrainieren – und dafür muss man einfach ständig Sit-ups machen. Mein Gott, was habe ich unfassbar viele Sit-ups gemacht!

 

Auch Ihr Spider-Man ist wieder ziemlich nerdig – und nimmt sich darüber hinaus selbst nicht ganz ernst, die Geschichte wird immer mit einem Augenzwinkern erzählt. Glauben Sie, „Deadpool“ und die „Guardians of the Galaxy“ haben in dieser Hinsicht Türen geöffnet?

Ich glaube, das ist sogar schon vor diesen Filmen passiert. Kevin Feige hat das bei den Iron-Man-Filmen auch immer gut hingekriegt, einen Sinn für Humor und große Action-Challenges miteinander zu verknüpfen. Es ist ja gar nicht leicht, diesen Spagat zu schaffen: Dass sich der Held zwar selber nicht allzu ernst nimmt, er dem Publikum allerdings alles andere als egal ist, sie sollen ja mit seiner Figur mit ganzem Herzen mitfühlen und sich vor dem Bösewicht auch wirklich fürchten. Genau die richtige Mischung aus Spaß und Ernst, das ist schwierig.

 

Spider-Man nutzt auch sehr intensiv Social-Media-Kanäle ?

Der Social-Media-Aspekt des Films ist einfach ein guter Weg zu zeigen, dass der Typ wirklich ein Kind der 2000er- Jahre ist. Die Kids heute filmen einfach alles. Mit Snapchat etc. muss nur irgendwas Halbinteressantes passieren, aber jeder zückt sofort sein Handy und filmt es bzw. macht ein Selfie damit. Und Peter Parker ist in den Comics ja Fotograf, also ist das ja auch quasi eine Hommage an den Beginn des Spider-Man-Mythos, und gleichzeitig wird er auch modernisiert und verankert in der modernen Gesellschaft.

 

Wie hat sich das für Sie eigentlich angefühlt, als völliger Newcomer ins Avengers-Universum zu kommen? Die anderen sind ja mittlerweile da alle schon recht etabliert. Haben Sie sich gut eingelebt?

Ja, absolut. Ich hatte ja schon meinen ersten kleinen Auftritt in „The First Avenger: Civil War“ – und da war es für mich wichtig, dass, wenn Spider-Man die anderen Avengers zum ersten Mal trifft, er genauso reagiert, wie ich das im wahren Leben mehr oder weniger auch getan habe: total hin und weg, und völlig über-drüber-begeistert und promigeil. „Oh mein Gott, Thor! Iron Man! Oh mein Gott!“ Also ich habe großes Glück, dass ich die Geschichte von Peter Parker quasi begleite mit meinem eigenen Leben. Nur halt privat leider ohne Superkräfte.

 

Und für wie viele Jahre ist Ihr Terminplan jetzt eigentlich voll als neuer Spider-Man?

Für immer. Für immer und immer. Zumindest fühlt es sich so an (lacht). Ich habe keinen freien Tag. Aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie lange das andauern wird. Lange, das weiß ich.

 

Also, in gewisser Weise haben Sie Ihre Seele an Marvel verkauft?

Genau, ich bin nun deren goldenes Kind (lacht).

 

Hatten Sie davor nicht auch ein wenig Angst, als Sie diese Rolle angenommen haben?

Wissen Sie, ich habe generell keine Angst. Ich habe mir die Angst quasi abtrainiert, durch einen kleinen Psycho-Trick, den ich seit Jahren praktiziere – seit ich ein Kind bin. Es ist nämlich so: Wenn man sich auf etwas total freut und wenn man vor etwas große Angst hat, ist das mehr oder weniger das gleiche Gefühl – nur assoziiert es das Gehirn mit unterschiedlichen Situationen. Und wenn etwas auf mich zukommt, vor dem ich Angst haben könnte oder vielleicht Nervosität aufkommt, rede ich mir einfach konsequent ein: „Mann, ich freue mich so sehr darauf, das wird so geil und lustig und großartig!“ Und so werde ich dann immer statt nervös einfach nur angenehm positiv aufgeregt. So richtig verunsichernde, unangenehme Nervosität kenne ich tatsächlich nicht, ich bin in solchen Situationen dann einfach nur extrem positiv geladen. Das ist ein sehr wertvoller Trick, und ich kann nur jedem empfehlen, ihn einmal auszuprobieren.

Steckbrief

Thomas Stanley Holland wurde am 1. Juni 1996 in London geboren. Er begann im Alter von neun Jahren zu tanzen, 2008 bekam er seine erste Rolle in „Billy Elliot the Musical“.

Film und Fernsehen.
Seine Karriere begann 2010, als er für „Arrietty“ eine der Hauptrollen synchronisieren durfte. 2012 spielte er an der Seite von Naomi Watts und Ewan Mc Gregor in „The Impossible“. 2015 wurde bekannt, dass er in der Neuverfilmung von „Spider-Man“ die Rolle des Peter Parker spielen wird. Seinen ersten Auftritt in dieser Rolle hatte er 2016 in „The First Avenger: Civil War“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2017)

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