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Pierre Bergé, Liebender und Schöngeist

08.09.2017 | 18:22 |  Von Barbara Petsch (Die Presse)

Der wichtige Mäzen, Lebensgefährte und Manager von Modepionier Yves Saint Laurent starb mit 86 Jahren.

Pierre Berge. / Bild: (c) imago/PanoramiC (imago stock&people) 

Dieser kultivierte Herr, in dem man vieles vom sympathischen Frankreich entdecken mag, strahlte Ästhetik aus – als Person wie in seinen Aktivitäten. Pierre Bergé wurde 1930 auf der Frankreich vorgelagerten Île d'Oléron geboren, er war der Sohn einer Grundschullehrerin und eines Finanzbeamten und wurde nach der sanften Montessoripädagogik erzogen: „Liberal, tolerant, ja anarchistisch“, wie er später sagte. Die Familie stand links, auch er, wobei er sich mit dem früheren Staatspräsidenten François Mitterrand anfreundete und diesen dazu brachte, die Opéra Bastille zu bauen, die Opernfan Bergé von 1988 bis 1994 leitete. Die Schwierigkeiten waren anfangs beträchtlich, wovon der jetzige Wiener Staatsoperndirektor, Dominique Meyer, gern und anekdotisch erzählt, denn er war daran beteiligt, sie zu beseitigen.

 

Befreundet mit Cocteau, Anouilh

Bergé wollte ursprünglich Schriftsteller und Journalist werden, er freundete sich mit wichtigen Künstlern wie Jean Cocteau oder Jean Anouilh auf. Mithilfe von Mitterrand entstand auf Initiative von Bergé das Cocteau-Museum im letzten Wohnhaus des Surrealisten in Milly-la-Forêt in Nordfrankreich.

1958 traf Bergé den exzentrischen Modeschöpfer Yves Saint Laurent, eine stürmische, leidenschaftliche und krisenhafte Beziehung, aber auch eine große Liebe, über die Bergé immer wieder sehr offen gesprochen hat, zuletzt heuer im Juli mit der Fotografin Herlinde Koelbl im „Zeit“-Magazin: „Die große Triebkraft unserer Beziehung war die Sexualität“, sagte er ihr, und: „Mein Wunsch war, Yves vor allem Schlechten zu beschützen.“

 

Engagement für die Homosexuellen

2014 kam ein teilweise herb verrissenes Biopic über Yves Saint Laurent ins Kino, auch hier steht die Beziehung zu Bergé im Vordergrund. Dieser etablierte gemeinsam mit Saint Laurent dessen Modehaus und führte es. 2008 starb Saint Laurent. 2009 wurde die bedeutende und riesige Kunstsammlung der beiden Lebenspartner im Grand Palais versteigert: 733 Objekte und Gemälde aus allen Stilepochen, die von wahrhaft barock-opulentem Lebensstil kündeten, die Bilder von der Inszenierung der Sammlung gingen durch alle Zeitungen. Der Erlös betrug fast 400 Millionen Euro, die Bergé für die Aids-Forschung spendete.

Er kämpfte stets für die Rechte der Homosexuellen. Politisch glaubte er an starke Persönlichkeiten, aber nicht an alle: Für die Sozialistin Ségolène Royal setzte er sich lebhaft ein, ebenso energisch lehnte er Silvio Berlusconi ab.

Seine Heimat verdankt Bergé viele kulturelle Aktivitäten, er hat auch reichlich Geld spendiert: Regisseuren wie Peter Brook oder Bob Wilson, dem Zola-Museum, er war Mitbesitzer von „Le Monde“.

In Saint-Rémy-de-Provence ist Bergé, dieser Schöngeist und große Liebende, nun mit 86 Jahren gestorben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2017)

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