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"Sexuelle Ausbeutung": Schauspielschülerinnen beschuldigen James Franco

12.01.2018 | 11:58 |   (DiePresse.com)

Fünf Frauen werfen dem Golden-Globe-Gewinner sexuelle Nötigung vor. Schülerinnen seiner Schauspielschule "Studio 4" sagen, er habe sie nur für Nackt- oder sexuelle Szenen gecastet. Zudem soll er bei Sexszenen Schutzmaterial entfernt haben.

James Franco trug am Sonntagabend bei den Golden Globes einen "Time's Up"-Anstecker, um Solidarität mit Opfern sexueller Gewalt zu zeigen und sexuelle Übergriffe anzuprangern. / Bild: (c) imago/Picturelux (HFPA Photographer) 

Nach den Vorwürfen der sexuellen Nötigung, die zwei Kolleginnen des US-amerikanischen Schauspielers James Franco nach den Golden Globes gegen ihn vorbrachten, äußerten weitere Frauen Vorwürfe gegen Franco: In der von ihm betriebenen Schauspielschule und an Filmsets habe Franco ein "unsachgemäßes, ausbeuterisches" Umfeld geschaffen. So habe er Frauen häufig Nackt- oder Halbnacktszenen angeboten und Schutzfolien während Sexszenen entfernt, heißt es in dem Bericht der "Los Angeles Times", in dem die Frauen ihre Erlebnisse schilderten.

Alle Frauen, die Vorwürfe gegen Franco erheben, seien Schülerinnen von Francos Schauspielschule "Studio 4" in New York City und Los Angeles gewesen. Das "Studio 4" warb damit, Schülern Arbeit bei Projekten von Francos Filmunternehmen zu ermöglichen. Franco hatte die Schule 2014 eröffnet und im Oktober 2017 abrupt geschlossen.

Wütender Abgang nach verweigertem Striptease

In dem Bericht der "Los Angeles Times" meldeten sich die früheren Schauspielschülerinnen Hilary Dusome und Natalie Chmiel zu Wort und erzählten von einem "unprofessionellen" Dreh mit unangenehmer Stimmung in einem Stripclub. Sie hätten maskiert und in Unterwäsche auftreten müssen. Franco habe schließlich gefragt, welche der Frauen freiwillig strippen wolle - als sich niemand meldete, habe er den Raum verärgert verlassen. Beide Frauen hätten den Grund des Drehs nicht gekannt; Dusome habe geglaubt, dass die Szene für einen "Kunstfilm" Francos gedreht werde, Chmiel sei gesagt worden, es handle sich um eine Jeanswerbung.

"Ich hatte gedacht, ich sei wegen meiner harten Arbeit und meiner Leistung ausgewählt worden", sagte Dusome der Zeitung. Sie habe dann "realisiert, dass es daran lag, dass ich schöne Brüste habe". Über Franco sagte Dusome: "Ich glaube nicht, dass er das Unterrichten mit bösen Absichten begonnen hatte, aber er schlug den falschen Weg ein und machte dabei eine Menge Leute kaputt."

Filmrollen, "wenn man Sexszenen spielen würde"

Katie Ryan, ebenfalls eine ehemalige Schülerin des "Studio 4", erzählte in dem Bericht, dass gefühlsmäßig alle Rollen, die es für Frauen in Franco-Produktionen gegeben habe, sexueller Natur gewesen seien. Franco habe "allen immer das Gefühl gegeben, es gäbe mögliche Rollen, wenn man Sexszenen spielen oder sein Shirt ausziehen würde". Andere Schüler sagten, sie hätten nie Rückmeldungen für Rollen in Franco-Projekten erhalten. Die "Los Angeles Times" zitierten Ryans Aussage, dass sie "jahrelang massenhaft E-Mailanfragen von Franco" erhalten habe - stets mit dem Wunsch, sie möge für die Rolle "einer Prostituierten oder einer Nutte" vorsprechen.

Auch die zwei Frauen, die nach der Verleihung der Golden Globes mit ihren Vorwürfen gegen Franco an die Öffentlichkeit gegangen waren, vertieften in dem "Los Angeles Times"-Bericht ihre Anschuldigungen. Eine von ihnen - Sarah Tither-Kaplan, ebenfalls "Studio 4"-Schülerin - habe schlussendlich eine Rolle in einem Franco-Film erhalten: in einer Dokumentation von Francos "Sex Scenes"-Unterrichtseinheit, wo Schauspieler lernten, intime Szenen vor der Kamera darzustellen. Sie bereue die Rolle mittlerweile - die Szenen, in denen sie vorkommt, seien auf der öffentlichen Videoplattform Vimeo gelandet. Wer das Material hochlud, ist nicht bekannt.

Franco soll Schutz bei Sexszenen entfernt haben

Tither-Kaplan erzählte auch von einem anderen, drastischen Erlebnis: Bei einem Dreh für ein anderes Projekt - eine Orgien-Szene - habe Franco "durchsichtige Plastikschutzfolien, die ihre Vaginas abdeckten" entfernt, "und machte ohne Schutz damit weiter, die sexuelle Handlung zu simulieren". Sie habe das Gefühl bekommen, "dass es Machtmissbrauch gab und dass es eine Kultur gab, unbekannte Frauen auszunutzen und dass es eine Kultur gab, dass Frauen ersetzbar waren". Franco habe sie im Herbst 2017 kontaktiert, als der Harvey-Weinstein-Skandal losbrach, erzählte Tither-Kaplan - um sich dafür zu entschuldigen, sie in eine "unangenehme" Situation gebracht zu haben.

Die "Los Angeles Times" brachten auch eine detailliertere Stellungnahme Violet Paleys, der zweiten Frau, die Franco nach den Golden Globes mit ihren Vorwürfen konfrontierte. Sie habe 2016 eine einvernehmliche sexuelle Beziehung mit Franco geführt; er habe sie allerdings zu Oralsex in einem Auto gezwungen: "Plötzlich hatte er seinen Penis ausgepackt", beschrieb Paley die Szene. "Er hat quasi meinen Kopf nach unten gedrückt, und ich wollte nicht, dass er mich hasst, also machte ich es."

Franco: Beschreibungen "inakkurat"

Paley sagte, sie habe Franco während des Weinstein-Skandals ein wütendes E-Mal geschrieben, auf das er nicht geantwortet habe; allerdings hätte er sie später angerufen. In dem Gespräch habe Franco angeblich gesagt, es sei "falsch für ihn" gewesen, mit Paley eine sexuelle Beziehung zu führen, weil er von ihrem früheren Drogenmissbrauch gewusst habe und ihm bewusst gewesen sei, dass Paley zu dem Zeitpunkt gerade auf dem Weg war clean zu werden.

Franco hatte die ersten Vorwürfe am Dienstag in einem Fernsehauftritt abgestritten. Zu den neuen Vorwürfen gegen seine Schule nahm hingegen Francos Management Stellung - die Beschreibungen seien "inakkurat".

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(Red.)

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