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Juwelier Wagner: „Luxus braucht Raum“

23.11.2017 | 15:31 |  von Alexander Pfeffer (Die Presse - Schaufenster)

Der Wiener Juwelier Wagner feiert sein 100-jähriges Bestehen. Wir sprachen mit Besitzer Hermann Gmeiner-Wagner über die Herausforderungen für den stationären Handel im Zeitalter des Internets.

Tradition. Hermann Gmeiner-Wagner feiert das 100-Jahr-Firmenjubiläum. / Bild: (c) Carolina Frank 

100 Jahre Juwelier Wagner. Welches Schmuckstück haben Sie seit 1917 im Angebot?
Die Kollektion „Solitaire“. An dieser wurden lediglich kleine Änderungen im Design vollzogen.


Ist sie damit auch die meistverkaufte?
Ja, das ist sie eindeutig.


Was bedeutet Schmuck für Sie?
Eine Kombination aus Ästhetik, Design und auch Machbarkeit. Es ist immer wieder eine sehr schöne und große Herausforderung, neue Juwelen zu kreieren.


Ein gutes Stichwort: Sie feiern das 100-jährige Bestehen mit einer eigenen Schmuckkollektion. Wie sind Sie das angegangen?
Auf der einen Seite soll es eine neue Kollektion – erkennbar aus 2017 – sein. Auf der anderen Seite weist sie Design­attribute aus 1917 auf. Mancher könnte einen Jugendstil-Einschlag erkennen.


Erleben Sie in Ihrem Unternehmen gegenwärtig goldene, silberne oder diamantene Zeiten?
Wir haben in den vergangenen 30 Jahren ein wirklich dynamisches Wachstum hingelegt, intensiv im Detail gearbeitet und im Grunde das verdiente Geld 1:1 ins Unternehmen reinvestiert. Auf diese Art und Weise konnten wir in dieser Form wachsen. Wir erleben momentan sehr gute Zeiten.


Gilt das auch für die Branche?
Aus meiner Sicht geht es ihr durchaus gut. Aus den Zahlen, die uns zur Verfügung stehen, glauben wir herauslesen zu können, dass wir überproportional zur Branche wachsen.


E-Commerce ist eines der dominierenden Themen. Inwiefern ist er in Ihrem Geschäft vorangeschritten?
Wir haben vor zwei Jahren begonnen, einen Webshop zu errichten. Er ist ein wichtiges Zusatzinstrument, er ist zeitgemäß und gehört unbedingt in das Repertoire des Unternehmens. So wie bei einem neu aufgesperrten Geschäft: Man kann sich nicht im ersten Jahr gleich die sensationellen Umsätze erwarten.


Wie sehen Sie die digitale Transformation im Vergleich zum stationären Handel?
Die ersten Auswirkungen der digitalen Transformation gibt es schon und sie werden noch stärker werden. Da rede ich jetzt over all – über alle Branchen. Bei Uhren und Juwelen hat sie aber noch sehr wenige Auswirkungen. Im Vergleich zur Bekleidungs-, Textil- oder Elektrobranche sind wir mit den Webshops später dran. Gott sei Dank, kann ich nur sagen. In der Bekleidungsindustrie wirkt sich der Onlinehandel auf die Frequenz in den Geschäften und Einkaufsstraßen aus. Warum? Die Leute probieren in aller Ruhe zu Hause. Was ihnen keinen Spaß macht, schicken sie zurück.


Wird die 1-a-Lage in diesem Wechselspiel zum zentralen Faktor?
Sie wird ganz sicher so wichtig bleiben, wie sie derzeit ist. Aber gerade im Bekleidungsbereich werden manche Unternehmen nicht mehr ganz so viele Quadratmeter brauchen.


Und im Juwelen- und Uhrenhandel?
Unsere Branche war immer der Meinung: Wir haben nur kleine Produkte, darum brauchen wir nur kleine Geschäfte. Das war einmal so. Vor 13 Jahren haben wir aber eine Studie machen lassen: Was erwartet sich der Kunde vom Luxus? Fläche, mit Freiraum, wo er sich bewegen kann und nicht zu viele Produkte auf einem Haufen sind, lautete die Antwort. So wie man es von Louis Vuitton oder Prada kennt. Wir haben uns also nicht an der Größe des Produkts, sondern am Kunden orientiert.


Und Sie haben auf Größe gesetzt.
Ja. In der Kärntner Straße haben wir im ersten Schritt auf etwa 380 Quadratmeter im Erdgeschoß erweitert. Und fünf Jahre später haben wir den Graben mit 420 Quadratmetern eröffnet. Ich habe es keine Sekunde bereut, auf diese Dimension gegangen zu sein.


Wird das in zehn Jahren auch so sein?
In unserer Branche ja, und ich sage Ihnen auch, warum: Bei dieser Form des Handels, wie wir ihn betreiben, mehrere Marken unter einem Dach, war die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre eindeutig: Die internationalen Marken fordern eine eigene Ecke, einen eigenen Auftritt, eine eigene Vitrine, eine eigene Dekoration. Diese Wünsche können wir nur dann erfüllen, wenn sie genug Platz haben. Wenn dieser nicht da ist, geht die Marke entweder hinaus oder erst gar nicht herein.

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