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Stilfigur: Einsame Möbel

06.05.2015 | 15:17 |  von Norbert Philipp (Die Presse - Schaufenster)

Seltsame Möbelmagie.

Bild: (c) Beigestellt 

Manche Räume funktionieren besser leer: Gärten, Badezimmer, oder Busse. Kirchen haben – voll oder leer – ganz unterschiedliche Qualitäten. Bei Großraumdiscos und Messehallen heißt es: Bitte anfüllen, wenn’s nur irgendwie geht. Auch der Salone del Mobile, die größte Möbelmesse der Welt, füllt und füllt: die Architektur der Mailänder Messe von Maksimilio Fuksas, die U-Bahnen, die Trattorie – mit Menschenmengen. Und auch manche Messestände der großen Möbelhersteller gerieren sich wie Großraumdiscos, nicht nur architektonisch. Sogar mit Türsteher und VIP-Bereich. Da muss auch immer wer dazwischentanzen. Der Blick auf die neuesten Betthäupter und Stuhlbeine ist voller Köpfe und Füße. Die Architektur mag’s voll – außer in der Architekturfotografie. Möbeln würde dagegen ein wenig mehr Einsamkeit schon besser stehen. Auch eine leere Parkbank vermag schon, was einem leeren Restaurant nie gelingt: einladen zum Verweilen (ein viel zu oft strapaziertes Sprachklischee). Im Design von Kaffeehäusern sind Menschen genauso wichtig wie die Stühle, auf denen sie sitzen, haben schon schlaue Kaffeehausdesigner gesagt. Die Gäste in Lokalen finalisieren erst den Entwurf, meinte auch einmal Architekt Hermann Czech. Zu Hause kommen Stühle auch ganz gut ohne Menschen aus. Seltsame Möbelmagie. Trostlos wirken sie nie. Eher wie stumme Einladungen, die man noch nie angenommen hat.

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