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Das urbane Dickicht wird grüner

22.03.2017 | 20:11 |  von Sabine Hottowy (Die Presse - Schaufenster)

Taipeh, Sydney, Singapur. Architekten lassen auf engem Raum Parks und Gärten nach oben wachsen.

Bild: (c) Ph. Davide Piras per Stefano Boeri Architetti 

Grüne Hochhäuser sind wie entspannende Verkehrsstaus oder vegane Stelzen – irgendwie seltsam. Die Bauwirtschaft zählt zu den Hauptverursachern für Feinstaub, ist durch ihre überdurchschnittliche Materialentnahme aus der Natur und ihr hohes Abfallaufkommen bekannt. Und Wolkenkratzer sind allein wegen ihrer Bauhöhe schon große Energieverschwender. Gegenentwürfe zum ökologischen Dilemma wachsen in letzter Zeit vermehrt in Form vertikaler Hochhausgärten in dichten Großstädten wie Taipeh. Dort schraubt sich die DNA-Doppelhelix „Agora Garden“ mit ihren 22 Stockwerken in den Himmel. Heuer soll das Gebäude nach vier Jahren Bauzeit fertig werden. Der belgische „Archibiotect“ Vincent Callebaut hatte die Vision zum Haus. Weil wir uns in einigen Jahren mit neun Milliarden anderen die Erde teilen, wünscht er sich einen proaktiven Umgang mit Umweltschutz und Klimapflege. Sein Beitrag sind Entwürfe, wie der Wohnturm Tao Zhu Yin Yuan, der in Zukunft auch Energie und Lebensmittel für seine Bewohner produzieren könnte. Die 23.000 Bäume im Mantel sollen sich durch den Smog fressen und 130 Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich absorbieren.

Hängende Gärten

Die aufrechten Grünanlagen von Sydneys „One Central Park“ (Atelier Jean Nouvel) und den Mailänder Türmen „Bosco Verticale“ (Boeri Studio) sind zwei Beiträge fürs Auge. Sie wurden von Patrick Blanc begrünt. Er ist ein Pionier des modernen Stadtdschungels, seit den 80ern lässt er Moose und Gräser auf Fassaden wuchern. Weniger hoch, dafür charmant industriell ist Luciano Pias Baumhaus „25 Verde“ in Turin. Seit 2013 werden hier 200.000 Liter CO2 pro Stunde Callwey Verlag Lesetipp. Architekturmagazin „Baumeister“, Februar 2017.Callwey Verlag Lesetipp. Architekturmagazin „Baumeister“, Februar 2017.umgewandelt. Wenn man von urbanem Dschungel spricht, muss man in erster Linie aber an Singapur denken. Der Stadtstaat gehört zu den am dichtesten besiedelten Flecken der Erde. Die Stadtentwicklungsbehörde Urban Redevelopment Authority (URA) leistet sich einen ehrgeizigen Plan: Aus dem Betonwall soll die grünste Stadt der Welt werden. Der 101 Hektar große, künstlich angelegte Park Gardens by the Bay mit seinen Super Trees ist weltbekannt. Aber wo der Platz eng ist, sind herkömmliche Parks nicht die einfachste Lösung, in Singapur wird tendenziell in die Höhe gegartelt. Das Architektenbüro Woha ist federführend. Sie haben unter anderen das Parkroyal Hotel mit seinen insgesamt 15.000 Quadratmetern vertikaler Grünfläche entworfen. Das Düsseldorfer Büro Ingenhoven will noch heuer ein neues grünes Herz der Insel fertigstellen, das „Green Heart“ in dem Gebäudekomplex „Marina One“. Der Bereich zwischen Büro- und Wohntürmen soll von einem 30 Stockwerke hohen dreidimensionalen Garten ausgefüllt werden, dem bisher größten öffentlichen Platz im Geschäftsviertel Singapurs.

 

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