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Von Natur aus nordisch

31.05.2017 | 09:17 |  von Norbert Philipp (Die Presse - Schaufenster)

Nordisches Design ist auch im Süden Teil des Alltags. Das Leben profitiert davon. Vor allem auch ästhetisch.

Ensemble. Arne Jacobsen entwarf Besteck für Georg Jensen, 1957. / Bild: (c) Beigestellt 

Ein roter Faden zieht sich durch eine Gestaltungswelt, vor allem durch jene Breitengrade, die im Winter ein wenig düsterer sind als der Rest der Welt. Aber dafür in Design- und Wohnangelegenheiten rund um den Planeten umso heller strahlen: das Nordische Design. Das wären exakterweise jene Formen der Gestaltung, die man als Skandinavisches Design kennt, plus den finnischen Formen der Gestaltung. Obwohl man Finnland in Stil- und Ästhetikfragen ohnehin längst Skandinavien zugeschlagen hat. Egal, der rote Faden, den ein zuletzt erschienenes Buch aus dem Phaidon Verlag bemüht, spannt sich auch in die Formvergangenheit von Alvar Aalto, seinen Jüngern, Schülern und Erben.

(c) Beigestellt Abgerundet. „Fower Pot“, ein Klassiker, entworfen von Verner Panton. Abgerundet. „Fower Pot“, ein Klassiker, entworfen von Verner Panton. / Bild: (c) Beigestellt 

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„The Red Thread“ lautet der Titel des Buches. Und dieser legt sich nicht nur haptisch greifbar auf das Cover, sondern auch nachvollziehbar in den Gestaltungskosmos, wo er Alltagssituationen und Design ganz eng miteinander vernäht. Lang wurde dieses Naheverhältnis von normalem Leben und Gestaltung gepflegt – bis das Design so selbstverständlich wurde, dass man oft gar nicht weiß, dass man es täglich in der Hand hat: wie etwa die orangefarbenen Scheren des finnischen Herstellers Fiskars. Oder auch Besteck, das ein Design-Weltstar wie Arne Jacobsen entworfen hat. Dem Nordischen Design wird neben Einfachheit, natürlichem Materialzugang und Qualitätsbekenntnis noch eine Eigenschaft zuerkannt, eine magnetische: Denn es zieht Sympathien aus allen Richtungen an. Inzwischen ist es zum Design-Statement eines globalen Zuhauses geworden. Kinder wachsen weltweit gemeinsam mit den Tripp-Trapp-Hochstühlen von Stokke. Und Muster von Marimekko oder Svenkst Tenn holen naturinspirierte Motive so selbstverständlich in die Lebensräume auch jener Menschen, deren Natur vor der Haustür eine ganz andere ist.

(c) Beigestellt Typisch tierisch. Der Däne Kay Bojesen  bereicherte  die Welt  auch mit  Holzfiguren. Typisch tierisch. Der Däne Kay Bojesen bereicherte die Welt auch mit Holzfiguren. / Bild: (c) Beigestellt 

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Norden ist überall. Dass Nordisches Design global funktioniert, ist kein Wunder. Schließlich war „Ausgleich“ in der Gestaltung stets ein Anspruch, der aus einer geografischen Zwangslage entstand. Im Norden hatte man so einige Extreme auszubalancieren: die langen, kalten Nächte mit den langen Tagen im Sommer. Die Zurückgezogenheit des Winters. Mit der Offenheit, der Orientierung nach draußen, in den helleren Tagen. Design wurde zur Agenda für alle. Über die Jahrzehnte entstanden Dinge, die Generationen überdauern und zwischen öffentlichen und privaten Nutzen oft keinen Unterschied machen. „The Red Thread“ zeigt in visuell eindrucksvoller Weise, wie Prinzipien der Gestaltung eine ästhetische und funktionale Welt geprägt haben, der wir auch in Mitteleuropa begegnen, weil sie sich zum Glück auch in unseren Alltag geschlichen hat.

Tipp

„The Red Thread“. Der aufwendig gestaltete Band zieht den Betrachter in die stilistische, visuelle Welt des Nordischen Designs. Erschienen bei Phaidon.

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