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Ausstellung "design everyday": Der Alltag der Dinge

04.10.2017 | 14:53 |  von Norbert Philipp (Die Presse - Schaufenster)

Die Ausstellung „design everyday“, kuratiert vom Studio Vandasye, spürt den Werten ganz alltäglicher Produkte nach.

Vandasye. Die Designer Peter Umgeher und Georg Schnitzer. / Bild: (c) Beigestellt 

Man steckt ja nicht drin, in so einem Designer-Alltag. Zumindest, wenn man Design nur konsumiert und selbst keine neuen Inhalte, Formen und Funktionen erfindet. Vormittags Kinder in den Kindergarten bringen, dann Gedanken schweifen lassen, ein bisschen kritzeln auf Papier, ein bisschen Mauszeiger herumschieben auf dem Bildschirm, ein wenig 3D-Drucker rattern lassen. Und nachmittags noch einen Termin beim Kupferschmied oder Glasbläser des Vertrauens. Könnte sein – kommt ganz darauf an. Aber fest steht vor allem eines im Designer-Alltag: Eine Vielzahl von Ideen, Prototypen, Konzepten und Produkten, die zwischen erstem Kaffee und Feierabendbier entstehen, sind vor allem dem Teil der Welt gewidmet, den alle irgendwann durchlaufen: dem Alltag.

(c) Beigestellt 3-D gedruckt. Musik ist auch Teil des „design everyday“: Lautsprecher vom Studio Most Likely. 3-D gedruckt. Musik ist auch Teil des „design everyday“: Lautsprecher vom Studio Most Likely. / Bild: (c) Beigestellt 

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Konventionen verbiegen, Visionen skizzieren, Welt verändern – all das gehört inzwischen auch zum Kompetenz-Portfolio so mancher Designer. Doch auch etwas anderes ist Designer-Daily-Business: Etwa die paar Millionen Leben, die täglich in Österreich aneinander vorbei laufen, dort zu verbessern, wo sie sich überschneiden, bei ganz alltäglichen Dingen. Beim Duschkopf in der Hand Halten, beim Blumen Gießen etwa, beim Suppe Schöpfen, beim Sitzen, beim Bücher Einschlichten. Das Design der alltäglichen Dinge, vom Brotmesser bis zum Sessel, auf dem man entspannt, sind ebenso Zeugen aktueller Design-Haltungen und gesellschaftlicher Stimmungen, wie es auch vom Alltag weit entschwebte Design-Visionen sind.

Alltagsdesign, ausgestellt. Einen Mehrwert muss das Design jedenfalls bieten. Auch in den banalsten Situationen. „Das kann aber auch durchaus ein emotionaler sein“, meint Peter Umgeher vom Designstudio Vandasye. Ihr Atelier liegt unweit des Westbahnhofs im 15. Bezirk, auf das die Vienna Design Week diesmal extra viel Aufmerksamkeit lenkt. Aus Anlass des Festivals haben sich Vandasye vorgenommen, die Wahrnehmung von Design diesmal auf ein Feld zu richten, in dem sich jeder befindet, sobald er in der Früh die Augen aufschlägt: den Alltag. Oder in den Worten des Ausstellungstitels: „design everyday – Design für den Gebrauch“.

Design, ausgestattet mit einem Mehrwert, in ästhetischer, nachhaltiger oder emotionaler Hinsicht, ist in Österreich noch kaum in den Produkt-Mainstream gesickert. Im Gegensatz zu skandinavischen Ländern, wo der Alltag durchdrungen scheint vom Anspruch der hochwertigen Gestaltung. Von den Küchenschubladen bis in die Bücherregale. Dagegen scheint in Österreich ein Mix aus Marketing, Hybris und Berufsbildverwirrung das Design in einer ganz anderen Sphäre verankert zu haben. Dort wo man allmählich beginnt, Design für Kunst zu halten, oder hochwertige Handwerkskunst zum Luxus-Gadget gerät. Oder wo gestalterische Experimente den Alltag eher stören als fördern. Ein gänzlich falsches Bild natürlich, wie Vandasye nun eifrig bemüht sind, dies mit dem Projekt „design everyday“ zu unterstreichen.

(c) Beigestellt Stuhlalltag.  Alex Gufler entwarf den Stuhl „Alba“ für den Hersteller Ton, auch Teil der Ausstellung. Stuhlalltag. Alex Gufler entwarf den Stuhl „Alba“ für den Hersteller Ton, auch Teil der Ausstellung. / Bild: (c) Beigestellt 

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Achtung, Alltag. Die Ausstellung im Rahmen der Vienna Design Week, so meinen Peter Umgeher und Georg Schnitzer, könnte durchaus der Anfang eines dauerhaften Forums werden. „Auch die Alltagsgegenstände sind Produkte und Abbilder ihrer Zeit, die ihre Berechtigung haben und durchaus hochwertig gestaltet sein können“, sagt Schnitzer. Vielleicht könnte, meinen die Designer, eine Plattform, auf der man solche Produkte hebt, dabei helfen, die hochwertige Produktionskultur von Alltagsgegenständen besser sichtbar zu machen. Für die Ausstellung haben Vandasye ihr Radar in die Designszene und Produktkultur Österreichs hinein gerichtet. Das Echo davon: eine Vielzahl von Produkten, die teils in Eigeninitiative, teils im Auftrag entstanden, die als Design für den Alltag verstanden werden können. „Obwohl natürlich die Gestalter den Alltag ganz unterschiedlich definieren“, wie Schnitzer sagt.

Verschiedene Zugänge bilden sich auch in der Vielfalt der Produkte ab, die Vandasye bei unterschiedlichsten österreichischen Designern angefragt hat. Eine Gießkanne von Clemens Auer ist dabei, Gläser von Element Design, die von der Firma Mäser produziert werden, Hocker von Frank Rettenbacher, die das italienische Unternehmen Zanotta herstellt, genauso wie Regale von Klemens Schilling (siehe Kasten oben). Auch Lautsprecher aus dem 3-D-Drucker, entworfen von Most Likely, sind unter den Exponaten: Sie machen guten Klang fast ganz alltäglich.

Tipp

Design everyday. Die Ausstellung läuft im Rahmen der Vienna Design Week, zu sehen in der Festivalzentrale Nord, Europaplatz 1.

(c) Beigestellt Frank Rettenbacher.Frank Rettenbacher. / Bild: (c) Beigestellt 

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Frank Rettenbacher

„Gutes Design sind für mich Objekte, die sich keinen kurzlebigen Trends unterwerfen, sondern durch ihre ehrliche Formgebung Jahrzehnte Freude bereiten und sich unaufdringlich in die Wohnumgebung einfügen“, sagt der österreichische Designer, der in Amsterdam arbeitet. Auch für das italienische Unternehmen Zanotta müssen sich seine Entwürfe den härtesten Tests unterziehen: „Dem Test der Zeit“, wie Rettenbacher sagt. Die Hocker Ido entwarf er im Jahr 2016. Schlanke Holzbeine, abgerundete Sitzfläche, ein leichtes Erscheinungsbild, mit prognostizierter langer ästhetischer Lebensdauer. Zu sehen in der Schau „design everyday“.

(c) Beigestellt Klemens Schillinger.Klemens Schillinger. / Bild: (c) Beigestellt 

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Klemens Schillinger

Das Regal „Slot Shelf“ ist ein Fall von simpel, weil intelligent. Es kann ohne Werkzeug in wenigen Minuten aufgebaut werden, braucht keine Schrauben oder Kleinteile. Es dient dem Benutzer, aber auch einem effizienten Herstellungsprozess, außerdem lässt es sich optimal verpacken. „Das ermöglicht viele Vertriebswege, was auch wichtig ist, vor allem im Online-Handel“, wie Schillinger sagt. Aber „Design für den Alltag“ sei auch etwas jenseits rationaler Faktoren: „Ich finde es gut, wenn Design sich nicht aufdrängt, ohne aber langweilig zu sein. Es sollte funktional sein, natürlich, aber den alltäglichen Wohnraum auch ästhetisch bereichern.“

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