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Stilfigur: Auf Schatzsuche

17.01.2018 | 09:03 |  Norbert Philipp (Die Presse - Schaufenster)

Wo nichts ist, kann auch nichts werden. Zumindest schlechte Architektur funktioniert so.

Bild: (c) APA/GEORG HOCHMUTH 

Aber warum sollte man selbst überhaupt architektonische Qualitäten produzieren in einer Stadt, die noch so reich an Qualitäten ist? Da borg ich mir doch lieber welche aus. Und muss der tollen Stadt noch dazu gar nichts zurückgeben. Immobilieninvestoren gehen gern rund um ihr Projekt auf Schatzsuche: So etwas wie „Wohnen am Schu­bertturm“ kommt dabei heraus. Der Schu­bertturm, der gute alte, völlig überwuchert von belanglosen ­Quadratmetern. Oder „Am Kaiserforum“. Inhaltsleere Luxuswohnungen, ratzfatz aufgeladen mit einem Schnipsel Stadtgeschichte. Da hat ja einer gut recherchiert. Auch Hotels legen gern absurdeste Bezüge in die Tiefen der Wiener Designgeschich­te und quer in die Stadtlandschaft: wie das Sofitel Vienna Stephansdom etwa. Vom Donaukanal bis zur berühmtesten aller Wiener Kirchen, die sich das Hotel für den Namen ausgeborgt hat. Dabei könnte es, wenn es um Sichtachsen gehen sollte, genauso gut „Kahlenberg“ oder „Gemeindebau“ heißen. Jean Nouvel jedenfalls, der Architekt des Hauses, legte seine Bezüge etwas subtiler. Hat ihm auch nichts geholfen: Seine ganzheitliche Sicht, inklusive Gestaltung des Zimmerinterieurs, zerbröselt gerade unter kommerziellen Interessen. Neu gestaltet wird mit – Überraschung – Bezug zur Wiener Historie, wie es heißt. Nur nicht vergessen: Auch die Gegenwart wird irgendwann mal Geschichte.

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