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Buerofreunde: Emotionale Anker bei Thomas Bene

19.03.2018 | 17:05 |  Sabine Hottowy (Die Presse)

Schöner arbeiten Buerofreunde heißt das von Thomas Bene neu gegründete Möbelgeschäft, dort findet man auch sein Privatbüro - es ist mit Seelenschmeichlern angefüllt. Ein Rundgang.

Ein echter Bürofreund: Thomas Bene / Bild: Carolina Frank (Die Presse) 

Thomas Bene ist ja ­familiär bedingt mit vielen Schreibtischen aufgewachsen. Sein eigener ist gut versteckt. Ein Tipp: Steht man im Schauraum der Buerofreunde in der Börsegasse, ist man zu weit. Sein Privatbüro in dem vor zwei Jahren gegründeten Möbelgeschäft steckt tief im Kern des Hauses. Hinter den Türen, Gängen und Schleusen findet man dann kein mit namhaftem Design angefülltes Protz-Atelier, wie man es dem jahrelangen Vorstand der früheren Bene AG vielleicht andichten möchte, sondern eine unaufgeregte Arbeitsstube mit viel Klimbim.

"Wie man sieht, bin ich in manchen Dingen einfach nur kindisch", gibt er den Begleittext zu den Andenken, die sich um seinen Platz sammeln. Da steht zum Beispiel eine Figur von "Bob der Baumeister", dort eine Ente und ein Gummikrokodil aus alten Bene-Tagen (mit dem die Verkäufer daran erinnert wurden, die hohen Rabatte nicht zu schnell herauszurücken). Familien- und Jesolo-Schnappschüsse hängen dicht an dicht. "Das ist mein ganzes Leben", sagt er.

Carolina Frank (Die Presse) / Bild: Carolina Frank (Die Presse) 

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Eine Foto-Montage ist besonders aufdringlich. Nachdem sich die Bene AG zeitweise eine Werbeagentur mit McDonalds teilte, bekam er zum Geburtstag eine Burger-Kopf-Royal-Collage geschenkt - "ziemlich schirch mit den Sesamkörnern auf der Glatze." Das Original-16-Bogen-Plakat schmückte damals den Ortseingang von Waidhofen an der Ybbs, wo Thomas Bene ursprünglich herkommt. Eine kleine Version hängt jetzt bei ihm im Büro. Privat schätzt Thomas Bene die modern gewordene Clean-Desk-Policy also nicht. "Das ist vielleicht rational richtig, aber ich mag es lieber emotional."

Nachdem er seit gut 54 Jahren in der Büromöbelbranche lebt, ist er auch über die persönlichen Vorlieben hinaus, ein guter Gesprächspartner, was Büro-Trends angeht - glaubt man. "Der Trend ist, dass es keine Trends gibt", enttäuscht er kurz. "Die Zukunft des Büros oder die Vorstellung, wie ein modernes Büro auszusehen hat, die gibt es nicht mehr. Jede Branche sucht sich ihr eigenes Konzept. Es ist wie im Internet - da geht es auch nicht mehr darum, dass Dinge vorhanden sind, es geht darum, sie zu bewerten" - eine Kernkompetenz der Buerofreunde, wirbt er.

Carolina Frank (Die Presse) Wer findet die Akustikelemente?Wer findet die Akustikelemente? / Bild: Carolina Frank (Die Presse) 

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Die Akustik sei bei jedem Büro ein gutes Einstiegsthema. "Dass man ein Problem damit hat, bemerkt man oft erst dann, wenn das Büro fertig eingerichtet ist." In der Praxis gibt es dann drei Möglichkeiten, wie man störende Arbeitsgeräusche in den Griff bekommen kann. Dort, wo der Schall entsteht, ist die erste. Die zweite Option sind die Wände, hier eigenen sich zum Beispiel Bilder, in deren Rahmen ein Akustikschaum eingespritzt wird. Von der Decke abgehängte Akustiksegel oder Paneele schließen den Reigen ab. Im Bild oben verstecken sich zwei der drei Varianten. Unten sieht man eine mobile Abschirmung für kleine Störer.

Carolina Frank (Die Presse) Schluckt den Schall dort, wo er entsteht. Schluckt den Schall dort, wo er entsteht. / Bild: Carolina Frank (Die Presse) 

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Ein zweites großes Thema ist die eingangs erwähnte Clean Desk Policy, die vielen leeren Tische für obdachlose Wander-Mitarbeiter großer Unternehmen. Hier sieht Bene zwei Parameter. "Oft treffen diese Entscheidung Menschen, die dort nicht arbeiten müssen. Das ist gemein. Bei großen Firmenstrukturen halte ich es aus Effizienzgründen natürlich für sinnvoll." An der Umsetzung hapert es. "Clean Desks sind auf emotionaler Ebene nicht gescheit, man braucht auch am Arbeitsplatz ein bisschen Heimatgefühl. Das ist gewohnt, tradiert und hat auch etwas mit der Identität zum Unternehmen zu tun. Die Ausprägungen sind oft einfach zu extrem." Wenn man das Konzept dahinter vergisst und nur über Design spricht, lobt Bene diesen Tisch von Modus (Bild unten). "Die Kantendetails sind schön, bündig, alles geht selbstverständlich von einem zum anderen über - es sind diese Kleinigkeiten, die aus meiner Sicht gutes Design ausmachen." 

Carolina Frank (Die Presse) Hier sehen wir einen Cooperation-Chair, er ist kürzer und flacher und hat den Vorteil, dass man sich schnell darin bewegen kann. Hier sehen wir einen Cooperation-Chair, er ist kürzer und flacher und hat den Vorteil, dass man sich schnell darin bewegen kann. / Bild: Carolina Frank (Die Presse) 

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Und spielen am anderen Ende der modernen Arbeitswelt vielleicht Komfort und Farbe eine größere Rolle? Jein. "Die meisten Entscheidungen im Büro treffen nach wie vor noch Männer, für sie ist das Spektrum Grau-Schwarz-Weiß immer etwas, bei dem sie nichts falsch machen können." In manchen Strukturen wie Tisch, Stuhl und Wände würde das auch tatsächlich stimmen, hier kann man gern neutral bleiben. In Entspannungs- und Kommunikationsbereichen sollten Farb-Highlights zum Ausgleich aber nicht fehlen. Ein Wohlfühlbüro braucht eine optimale Mischung. "Meiner Erfahrung nach haben Frauen hier eindeutig das bessere Gespür."

Buerofreunde

Nach dem Ausscheiden als Geschäftsführer und Vorstand aus dem früheren Familienbetrieb Bene AG gründete Thomas Bene zusammen mit Peter Handlgruber sein eigenes Möbelgeschäft, die Buerofreunde. Das Handelsunternehmen bietet Design aus der ganzen Welt an und produziert - anders als am österreichischen Markt üblich - keine Möbel selbst.

Adresse: Börsegasse 9, 1010 Wien, www.buerofreunde.at.

 

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