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Designerparfums: Um Nasenlänge voraus

12.06.2013 | 16:34 |  von Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Die Komplettierung der Lifestylewelt: Österreichische Designer lancieren ihre Parfumerstlinge. Zudem existieren im Lande interessante Düfte mit langer Geschichte.

Designerparfums: Um Nasenlänge voraus / Bild: (c) Udo Titz 

Nachdem er geschwind mit Kohlestift und Aquarellkreide ein, zwei grandiose Roben auf handgeschöpftes Papier skizziert und im Vorübergehen auch noch seine Entwürfe für die It-Bags der kommenden Saison fertiggestellt hat, nimmt der begnadete Couturier Platz vor seiner gut bestückten Duftorgel und verbringt die blaue Stunde über der Komposition einer noch nie dagewesenen Duftsymphonie, die seinen Namen tragen wird. Ungefähr so müsste der Nachmittag eines durchschnittlichen Stardesigners aussehen, wenn diverse Fragmente der offiziellen (PR-)Ikonografie zusammengebastelt werden. Was letzteren Part, also den beinahe fast selbst kreierten Signature-Duft betrifft, geht dieses Idealbild freilich noch weiter an der Realität vorbei als in den anderen beiden Fällen.

Duftorgeln findet man heutzutage nämlich bestenfalls in einem Museum, und die tatsächliche Beteiligung der namengebenden Designer am Entstehen eines Duftes hält sich üblicherweise sehr in Grenzen. Aber eben doch nur üblicherweise.

Die österreichische Modeszene tickt nämlich auch in dieser Hinsicht anders. Zwar war bis vor Kurzem die Liste heimischer Designerdüften sehr überschaubar: null Einträge (Fred Adlmüllers in den Fünzigerjahren kreiertes „Eau de Vienne“ ist leider längst in die parfumistischen Jagdgründe eingegangen). Nun wurde aber „Drop n° 1“ von Helga Ruthner und Hermann Fankhauser (Wendy & Jim) lanciert, und Lena Hoscheks Parfumerstling „Loverose“ steht ebenfalls in den Startlöchern. In beiden Fällen nahmen die Modemacher regen Anteil an der Duftkomposition.

(c) Katharina Roßboth, Beigestellt „Drop n° 1“. Der Duft von Helga Ruthner und Hermann Fankhauser ist seit Kurzem auf dem Markt.„Drop n° 1“. Der Duft von Helga Ruthner und Hermann Fankhauser ist seit Kurzem auf dem Markt. / Bild: (c) Katharina Roßboth, Beigestellt 

Farben und Klänge. Vom Duft ihrer eigenen Markenwelt haben zumindest Ruthner und Fankhauser schon lange geträumt: Bereits für die Mode-Biennale in Arnhem anno 2011 entwarfen sie den noch nicht befüllten Fuchsschädel-Flakon in Kooperation mit der Augarten-Porzellanmanufaktur. „Als wir dann durch den Besitzer der Saint-Charles-Apotheke, Alexander Ehrmann, den Parfümeur Wolfgang Lederhaas kennengelernt haben“, so Helga Ruthner, „eröffneten sich auf einmal ganz neue Möglichkeiten.“ In einem intensiven Austausch entstand der unlängst vorgestellte Duft des Designerduos; als Herausforderung stellte sich das Finden einer gemeinsamen Sprache dar. „Es hat lange gebraucht, bis wir uns von missverständlichen Metaphern gelöst haben.“
Die Einführung neuer Vokabeln schaffte hier Abhilfe, erinnert sich Helga Ruthner: „Farben haben für uns alle gut funktioniert, und auch Verweise auf die Musik. Wenn wir gesagt haben, dass der Komposition noch der Bass fehlt, hat das dem Parfümeur weitergeholfen.“

Etwas längere Erfahrung im Bereich der Wohlgerüche hat der ehemalige Werbeprofi Alexander Lauber, der 2009 seinen ersten Duft „Clubwasser“ erfolgreich bei Colette in Paris lancierte und sich in den folgenden Jahren mit seiner Nischenparfum-Tetralogie „Wiener Blut“ einen guten Ruf erwarb. Auch hier entstand der Flakon übrigens in Kooperation mit einem Wiener Traditionsbetrieb: Ein Glasgefäß von Josef Hoffmann, geschaffen für Lobmeyr, diente als Vorlage. Lauber ist zufrieden mit der Entwicklung seines Lifestyleunternehmens: „Meiner Meinung nach kann sich auch aus der Nische ein breiter Erfolg entwickeln, derzeit denke ich über die Vorstellung von eigenen Dufttaschentüchern nach.“

Interessant für modeaffine Parfumliebhaber (und vice versa) ist das bei der letzten Berliner Modewoche angekündigte erste Parfum von Lena Hoschek, das in Zusammenarbeit mit Alexander Lauber entstand und „Loverose“ heißen wird. „Wir sind einander immer wieder begegnet“, erzählt Lauber, „und ich habe bewundernswert gefunden, wie konsequent sie ihren Weg verfolgt.“

Sowohl die „Loverose“ als auch der „Drop n° 1“ wollen naturgemäß unter die Leute gebracht werden – und in der Kosmetikbanche ist es mindestens ebenso schwierig, ein funktionierendes Vertriebssystem aufzubauen, wie in der Mode. Während „Wiener Blut“ bereits in einigen Parfümerien im In- und Ausland, darunter auch im Berliner KaDeWe, vertrieben wird, was sich auch für den Dufterstling von Lena Hoschek positiv auswirken dürfte, arbeiten Helga Ruthner und Hermann Fankhauser eifrig an der Verbreitung ihres Duftes (zu kaufen in manchen Filialen von Nägele & Strubell).

Weltweit gefragt. Ein gewichtiger Partner hilft indes dem Tiroler Duftwasser „Alt Innsbruck“, seinen Bekanntheitsgrad unter Liebhabern zu steigern: Der auf „schöne Dinge“ spezialisierte Manufactum-Versand hat dieses 1953 kreierte Cologne im Angebot. „In Hall haben wir auch einen Gassenverkauf“, erzählt Geschäftsführerin Hildegard Neuner, „aber dieser Vertriebsweg ist für uns natürlich sehr wichtig.“ Sie meint, dass „Alt Innsbruck“ im Ausland fast gefragter sei als in Österreich, und erwähnt Bestellungen, die sogar aus den USA eintreffen.

Ein ebenfalls weit über die Grenzen des Landes bekannter, geradezu legendärer Herrenduft ist am Wiener Graben beheimatet. „Knize Ten“ wurde 1925 geschaffen und gehört zu den ältesten Herrendüften seiner Art. Die herbe, rauchig-ledrige Komposition wurde von François Coty (!) gemeinsam mit Vincent Roubert entwickelt und ist ein echtes Juwel der Parfumeriegeschichte. Schön, dass diese also auch Wien zu ihren Schauplätzen zählt. Und ebenfalls schön, dass vor Ort vielleicht gerade neue Kapitel dieser Historie entstehen.


(c) Beigestellt / Bild: (c) Beigestellt 

Info
Heimische Düfte. „Drop n° 1“ von Wendy & Jim, 30 ml Eau de Parfum um 110 Euro (der Augarten-Flakon mit Rosendekor kostet 490 Euro). Kassenschlager „Volka Maria“ von Wiener Blut, 100 ml Eau de Parfum um 154 Euro. „Knize Ten“ Toilet Water von Knize, 100 ml um 78 Euro. „Alt Innsbruck“, 100 ml Eau de Cologne im Pumpflakon um 36 Euro.

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