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Beauty: Alleskönner gefragt

09.02.2017 | 10:11 |  von Nicole Spilker (Die Presse)

Wenn der Lippenstift zum Tausendsassa wird: Von modernen Beautyprodukten, die ihr Aufgabengebiet erweitern.

Hurtig. Zeit ist nicht nur backstage bei Defilees kostbar: Multitasker sparen Sekunden. / Bild: (c) MAC 

Multitasking, also die Fähigkeit, gleichzeitig Radio zu hören, ein Sudoku zu lösen und das Ganze auch noch live zu twittern, ist längst selbstverständlich geworden. In der Arbeitswelt wird sie ohnehin vorausgesetzt, in der Freizeit zunehmend auch; ja selbst Maschinen sind betroffen. Wir wundern uns ja schon nicht einmal mehr über Kühlschränke, die uns über den Verwesungsstatus des Gorgonzolas informieren, oder über Geschirrspüler, die per SMS melden, dass bitte Reinigungssalz nachgefüllt werden muss. Autos sind nicht nur Transportmittel, sondern auch rollende Hi-Fi-Anlagen, und darüber, was man mit Handys heute so alles anstellen kann (oder über die wenigen Dinge, die sie – noch – nicht können), möchte man gar nicht erst nachdenken. Kein Wunder, dass auch im Beautybereich die Multitasker kommen. Wir alle erledigen immer mehr Dinge gleichzeitig – warum sollten Foundation und Rouge nicht auch mehr leisten, als nur den ganzen Tag auf der faulen Haut zu liegen? Zum Beispiel: gegen Falten schützen, Rötungen lindern oder verführerisch duften. 

Beauty-Alleskönner: Dekorative Pflege

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Alleskönner. Wer Zeit (bei der Beautyroutine) und Platz (auf dem Badezimmerregal) sparen möchte, kann tatsächlich auf die Mithilfe allerhand fleißiger Produkte zählen. Etwa auf die von „Crema Nuda“ von Giorgio Armani Beauty, die ihr Understatement schon im Namen trägt. Die Creme verschönert die Haut nicht nur äußerlich, sie soll sie auch mit der Zuckerverbindung Mannose und Hyaluronsäure boosten, Feuchtigkeit spenden und den berühmten „Armani-Glow“ zaubern. Auch das flüssige Make-up „Fluid Finish“ aus der „Cellular Performance“-Linie von Sensai hat einen Zusatztrumpf im Ärmel. Das Produkt sorgt für einen ebenmäßigen Teint (in acht Farbnuancen!) und enthält einen hohen Anteil an „Fuji Sensui“-Wasser (also Wasser vom heiligsten aller japanischen Berge), das sehr trockene Haut vor Spannungsgefühlen bewahren soll. Feines Seidenpuder zaubert zudem ein ebenmäßiges Finish.

Auch Chanel hat seine „CC Cream“ als Multifunktionsprodukt angelegt: Ein Pfirsichextrakt soll gegen Umweltschadstoffe wirken und die regenerativen Funktionen der Haut verbessern. Ein Marine-Extrakt soll zudem glätten, Hyaluronsäuren sollen dabei helfen, die Feuchtigkeit in der Haut zu speichern, und der SPF 50 soll fiese UVA- und UVB-Strahlen blockieren. Ach ja: Extrem haltbare Pigmente kaschieren dunkle Flecken und vergrößerte Poren und reduzieren auch noch Rötungen.

Ähnliches verspricht das „Redness Solutions Instant Relief Mineral Pressed Powder“ von Clinique. Das cremige Kompaktpuder wurde konzipiert, um unliebsame rote Flecken zu neutralisieren. Dabei hilft nicht nur ein spezieller Gelbton, sondern auch eine Formel aus Koffein, Extrakten der Magnolienrinde, Poria-­Cocos-Pilz und Grapefruitschale. Gegen ungewollten Glanz gehen außerdem die Öl absorbierenden Mineralien Kalzium, Magnesium, Natrium und Kalium vor. Clarins macht sich für sein „Skin Illusion Poudre Libre“ wiederum die Eigenschaften der Rotalge zunutze. Diese wird auf der französischen Insel Ouessant angebaut und ist für ihre antiseptischen Eigenschaften und ihren Reichtum an Silizium bekannt, was wiederum die Zellregeneration stimulieren soll. Die mit einer Aminosäure pflanzlichen Ursprungs umhüllten Pigmente sind nicht nur besonders hautverträglich, sie lassen das Puder auch besonders gut haften.  

Im Reich der Lippe. Auch Rouges sorgen heute nicht mehr nur für rote Wangen. Das „Cushion Blush Subtil“ von Lancôme etwa ist ein mit flüssigen Pigmenten gefülltes Kissen, das in sechs Farben erhältlich ist und die Haut mit Feuchtigkeit und pflegenden Ölen versorgt. Beim „Cellularose Blush Glacé“ von By Terry wird es vollends futuristisch: Das feine Gelee enthält Farbpigmente, phosphorhaltige Lipide, das Antioxidans Vitamin E, pflegendes Rosenwasser – und Nylon.

Das größte Experimentierfeld für Beautyinnovationen liegt aber immer noch im Reich der Lippenstifte. Hier wählt man längst nicht mehr zwischen Pflege oder Farbe – hier kommt beides aus derselben Hülle. Wie etwa beim „Rouge Dior Baume“, der die Lippen nicht nur mit einem intensiven Ton schmückt, sondern sie auch mit einer nährstoffreichen und schützenden Pflege aus natürlichem Kristallöl versieht. Auch Make-up-Allstar Bobbi Brown jubelt über ihre neue Multitasker-Lippenstiftkollektion: „Diese Formel kombiniert Pigmente und eine mit Öl angereicherte Basis. Es ist die perfekt moderne Textur.“ Ihre ­„Nourishing Lip Color Oil-Infused Shine“-Range zielt mit einem Feuchtigkeitskomplex aus Olivenöl, Avocado, Babassuöl, Jojoba und Kakaobutter vor allem auf sehr spröde Lippen ab. Die Vitamine C und E sollen zudem eine Barriere bilden, die dabei hilft, die Feuchtigkeit einzuschließen, und vor feinen Linien und Fältchen schützen. Bei Shiseido wiederum sind alle Stifte der neuen „Rouge Rouge“-Kollektion mit einem Hyaluronsäurekomplex versehen, der Farbhaltbarkeit garantieren und die Lippen den ganzen Tag lang durchfeuchten soll. Allerdings tüftelte das japanische Beautylabel für diese Kollektion auch an einer speziellen Farbtechnologie, die der Trägerin nun die Qual der Wahl aus 16 (!) auf Rot basierenden Tönen lässt.

Augen auf. Schönheit liegt, wie wir wissen, im Auge der Betrachteten. Außerdem wissen wir, dass ausgerechnet unsere Augenpartie besonders empfindlich ist. Kein Wunder also, dass sich die dekorative Kosmetik auch hier immer wieder Besonderes einfallen lässt. Wie etwa das Label VMV Hypoallergenics, dessen Produkte allesamt frei von Duft- und Farbstoffen, Parabenen und Konservierungsstoffen sind. Der „Two True Hues Eyeshadow“ ist also nicht nur besonders unschädlich für die Haut, er soll die Augenpartie mit pflegenden Inhaltsstoffen auch noch verbessern: Grüner Tee und Reis sollen die Haut mit Antioxidantien versorgen, Kokosöl soll Feuchtigkeit schenken, Monolaurin seine antibakteriellen Eigenschaften ins Spiel bringen und Titandioxid-Eisenoxid-­Pigmente sollen für zusätzlichen Sonnenschutz sorgen. Um gepflegte Wimpernspitzen sorgt sich derweil die Mascara „Lash Queen Wonder Blacks“. In ihrer Gelformel kommen Wirkstoffe vor, die eigentlich für ihre schützenden Eigenschaften fürs Haupthaar bekannt sind und nun zum ersten Mal in einer Wimperntusche von Helena Rubinstein zum Einsatz kommen. Pro-Keratin soll dabei oberflächlich geschädigte Bereiche reparieren, Ceramid R übernimmt in der Tiefe.

Gleich zum Patent angemeldet hat Yves Saint Laurent Beauté seine Mascara „Vinyl Couture“. Eine neuartige Liquid-Technologie soll es ermöglichen, eine wesentlich höhere Menge von Lackpigmenten als bei herkömmlichen Formeln in die Textur der YSL-Tusche zu integrieren und damit Fülle, Länge und Glanz zu maximieren. Der Pflegekomplex der Formel enthält zudem biomimetisch wirkende Argan-, Distel-, Süssmandel- und Rizinusöle, um die Wimpernfasern zu pflegen und zu kräftigen. Außerdem noch auf der Inhaltsstoff-Liste: Mandarine, Cassis, Basilikum, Jasmin, Veilchenblätter, Sandelholz und Vanille. Merke: Moderne Wimperntuschen färben nicht nur – sie duften auch noch!

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