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Pflege-Individualisten

11.04.2017 | 08:21 |  Nicole Spilker (Die Presse - Schaufenster)

Maßanfertigung gibt es nicht nur in der Mode. Auch Beautyprodukte werden auf Kundenwunsch gefertigt.

Nach eingehender Analyse kann die Tinktur zuhause gemischt werden. / Bild: (c) imago stock&people (imago stock&people) 

Es ist ja wirklich nicht leicht, Kosmetikkonsumenten im Jahre 2017 zufriedenzustellen. Das Angebot an Produkten ist riesig und – danke, Internet – auch überall und jederzeit verfügbar. Was tatsächlich in den Badezimmerschränken von beauty­affinen Menschen landet, hat eine harte Auslese überstanden. Man ist ja schließlich informiert über neueste Inhaltsstoffe und wissenschaftliche Erkenntnisse und kennt die Bedürfnisse der eigenen Haut besser als so manche Kosmetikerin. Die Pingeligkeit der Klientel macht es der Branche denn auch zunehmend schwer, Dinge mit dem Label „One-fits-all“ zu verkaufen. Eine Creme für alle Hauttypen? Eine Lotion für Kopf und Körper? Ein Shampoo, das jede Haarbeschaffenheit gut pflegt? Ja, wo sind wir denn?

Anpassungsfähig. Der Trend geht also in Richtung maßgeschneiderte Kosmetik. Die ist mittlerweile sogar einigermaßen erschwinglich. Das New Yorker Unternehmen Kiehl’s bietet etwa die personalisierte Linie „Apothecary Preparations“ an, die aus drei Komponenten besteht: einer Basis, einem feuchtigkeitsspendenden „Skin Strengthening Concentrate“ sowie zwei individuell ausgewählten, gezielt wirkenden „Targeted Complexes“. Letztere werden nach einer etwa 20-minütigen Hautanalyse im Kiehl’s Store definiert und sollen Problemfälle wie Rötungen, Falten, raue Hauttextur, erweiterte Poren oder fahlen Teint beheben. Nach der maßgeschneiderten Zusammenstellung bekommt der Kunde sein Präparat zur selbstständigen Anmischung daheim überreicht. „Wir können in jedem Einzelfall die individuellen Bedürfnisse der Haut ermitteln und eine maßgeschneiderte Lösung bieten, die vom Kunden selbst zu Hause aktiviert wird“, sagt Cheryl Vitali, Kiehl’s Worldwide General Manager.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die österreichische Marke Ringana, eine erfolgreiche Vorreiterin von frisch zubereiteter Kosmetik. Auch hier weiß man, dass jede Haut ihre eigene Beschaffenheit hat, diese aber auch durch Lebensstil und Umwelteinflüsse ständig aufs Neue verändert wird. Eine Lösung dafür soll eine Add-On-Naturpflege bringen, die bei Bedarf zusätzliche Pflegesuperkräfte einsetzt. Je nach Hautproblem wird dem täglichen Serum eine entsprechende Dosis von drei angebotenen „ADDS“-Shots beigefügt, die reparieren, straffen oder schützen. Da die Shots hoch konzentriert sind, sollten sie nicht pur auf die Haut aufgetragen werden, können aber dafür sehr wohl im Mix-and-Match-Verfahren kombiniert werden. „So ist es möglich, flexibel auf veränderte Hautzustände zu reagieren und sogar auf unterschiedliche Hautzonen einzugehen“, erklärt Andreas Wilfinger, Eigentümer des steirischen Unternehmens.

Personalisierte Hautpflege. Auch die neuen Pflege-Booster von Bobbi Brown können als „Apotheke für Hautprobleme“ ganz rezeptfrei kombiniert werden. „Remedies“, so der Name der Super-Ampullen, sollen als Akut-Lösung bei starker Trockenheit, öliger Problemhaut oder auch bei Hautirritationen helfen. Die Kollektion aus sechs Konzentraten, deren Inhaltsstoffe (neben den Klassikern wie Hyaluronsäure) sich lesen wie die Karte einer Juice-Bar (Grünalgen mit frischem Kohl, Kohlsprossen und Spinat; Himbeerblatt mit Muru-Muru-Butter. . .), wird einfach in Mini-Dosis, je nach Bedarf aufgetragen. Bei Clinique wiederum geht man den entgegengesetzten Weg: Der Inhaltsstoff ist altbekannt, die Verpackung die Innovation. Letztere soll nämlich dafür sorgen, dass die Wirksamkeit und die Frische des kraftvollen Vitamin-C-Präparats (noch mal zur Erinnerung: Vitamin C schützt vor freien Radikalen und sorgt für straffere und ebenmäßigere Haut) gewahrt bleiben. So wird das Pulver des Produkts mit dem sperrigen Namen „Fresh Pressed Daily Booster mit purem Vitamin C 10 %“ in einer versiegelten Kammer in einem vor Sonnenlicht geschützten Fläschchen geliefert und erst in die Emulsion gemischt, wenn es wirklich benötigt wird – also vor der ersten Anwendung der Sieben-Tage-Kur.

Pflege-Individualisten: Beautyprodukte auf Kundenwunsch

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Gegen kleine Hautkrisen. Ein personalisierbares Anti-Aging-Creme-Set hält auch Juvena of Switzerland für seine Kundschaft bereit. Ein zartes Fluid als Basis und vier Konzentrate, die sich um Trockenheit, Fältchen oder Umweltbelastungen kümmern sollen, können individuell gemixt werden. Und zwar praktischerweise gleich in einer kleinen Porzellanschale, die samt Pinsel im „Skinsation“-Set mitgeliefert wird. Gegen kleinere Hautkrisen rückt Doctor Barbor mit seinem „SOS De-Blemish Kit“ aus. Die ausgewählte Wirkstoffkombination der Creme soll Hautunreinheiten und akute Pickel reduzieren, die Talgproduktion verringern und die Haut mattieren. Das spanische Unternehmen Sepai hat das Baukasten-System überhaupt perfektioniert: Bei der Linie „Tune It“ wird die Creme mit diversen hochdosierten Konzentraten aufgemotzt, die sich an der Tagesverfassung der Haut orientieren. Die Spritzen, die in die Pflege injiziert werden, sollen etwa Cellulite verringern, Altersflecken reduzieren sowie Gesicht und Körper aufpolstern. Man sieht, es gibt sie – die perfekte Creme. Und das ist ausnahmsweise einmal wörtlich zu verstehen.

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