Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Die Testerinnen: Das Loft

02.03.2017 | 09:57 |  von Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Und jährlich grüßt Das Loft.

Bild: (c) Christine Pichler 

Sechs Kritiken in sechs Jahren und drei Monaten. Das dürfte für Wien Rekord sein. Das Loft im Sofitel am Donaukanal, Ende 2010 als Le Loft eröffnet, hat hiermit die sechste Erwähnung im „Schaufenster“ geschafft. Dreimal Nowak, dreimal Burghardt. Die Tatsache der Eröffnung allein – spektakulärer Ort plus französische Huch-Küche (Frosch!) – war ein Grund, diverse Kochwechsel waren ein anderer. Einen solchen gibt es auch jetzt wieder zu berichten. Außerdem aber den Rückzug des Designclusters Stilwerk aus dem Jean-Nouvel-Bau und, wichtiger, den Rückzug von Supersommelier und Weinschatzsucher Steve Breitzke. Dieser wird Wien aber nur kurz fehlen: Gemeinsam mit Matthias Pitra vom Tian wird er ein eigenes Lokal im Neunten eröffnen (in dem man – ein Orden ist fällig! – auch sonntags essen können soll).

(c) Christine Pichler / Bild: (c) Christine Pichler 

+ Bild vergrößern

Der Neue im 18. Stock ist nach Fabian Günzels Abschied der uneitle Anton Gschwendtner, Bayer mit viel Erfahrung an Sterne-Adressen. Eingewöhnungsphasen-Nachsicht darf er nicht erwarten – und braucht er nicht. Manche Gerichte wirken vergleichsweise reduziert, hinter den Details steckt aber ein sehr hoher Aufwand. Da wird japanischer Bonitoessig direkt importiert, Buchweizen mit Zimtblüten gekocht oder Lofoten-Skrei gerade einmal eine Stunde gebeizt, um für ein gewinnbringendes Alzerl mehr Festigkeit zu sorgen. Fast roher Top-Lachs von Loch Duart, kurz misogeflämmt (es leben die Neologismen), bekommt gar artige Gesellschaft von Avocado und Radieschen und überzeugt mit schierer Qualität und komplexem Sud. Die Hummer-Bisque, klassisch mit Weinbrand und weißem Port, wird mit einem fragilen Hummerraviolo, Verbene und Karotten serviert, offenbart richtig gutes Handwerk und ist (hier eher eine Neuigkeit) extrem stimmig. Höhepunkt: der Skrei. Mit Lardo und Birnenwürfeln belegt, dazu grasgrünes Fisolenragout, Beurre blanc mit Birnenessig und, als Clou, ein paar Spritzer Fisolensaft. Ein großer Gang. Hendl, umami-aromatisch und saftig, wird mit Umeboshi, Spitzkohl und Sellerie kombiniert, Haferflan mit Petersilwurzeleis und Haselnüssen. Manko: Diese Küche hätte sich manchmal mehr Eigenständigkeit beim Anrichten verdient. Fazit: Hoffentlich gibt es hier nicht so schnell einen Grund für eine neuerliche Kritik.

Info

Das Loft, im Sofitel, Praterstraße 1, 1020 Wien, Tel: 01/906168110, täglich 12–14.30, 18–24 Uhr.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode

>>>
Schwer lesbar? Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Lesen Sie mehr