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Die Testerinnen: Allerley

31.03.2017 | 12:45 |  von Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Allerley, nicht zu viel, gerade richtig.

Bild: (c) Beigestellt 

Gebackene Schweinsohren (mit Harissa-Mayonnaise und Petersil-Salat!) und Hasenkeulen-Confit sind nicht unbedingt, was man eine sichere Bank nennt. Aber offenbar und hoffentlich das Erfolgsrezept, um sich von den zig erfolgreichen Heurigen in und rund um Bad Vöslau abzuheben. Was Johannes Ley sich in seinem Allerley traut – und wie er es umsetzt –, ist bemerkenswert. Nach Jahren unter anderem in Paris hat Ley, der aus der Gegend stammt, im Vorjahr ein kleines Ecklokal mit Garten am Schlosspark übernommen. Aus der Guten Stube, dem Vorgängerlokal, wurde mit viel guter Kinderstube ein gastronomisches Kleinod (pardon, ein Immobilienbranchen-Sprachklecks). Die zwei Räume mit ein paar wenigen Tischen sind dank schlichter wie schlauer raumakustischer Maßnahmen überaus einladend, über die Bilder kann man streiten. Vor allem aber findet man hier eine Gastgebermentalität, wie sie vielen Lokalen mit Financiers im Hintergrund gut zu Gesicht und Karma stünde. Das Allerley will nicht zu viel, und gerade deshalb fühlt sich hier alles so richtig an. Es ist schon eine Freude, was Johannes Ley kocht, aber das Serviceteam mit Rosa Böhler und Korbinian Holzner verdoppelt die Leistung mit leichter Hand: empathisch, kompetent und mit positiver Bestimmtheit, aber auch mit einem Alzerl Distanz, für die altmodische, vom schnellen Du geplagte Leute immer dankbar sind.

Christine Pichler / Bild: Christine Pichler 

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Angeberzutaten ohne Mehrwert sind Leys Sache nicht, dementsprechend freundlich kann er kalkulieren. Dafür kommen hier Schweinsohren genauso zu Tisch wie Onglet mit Kohl, Ochsenschlepp füllt er in Agnolotti und versenkt diese in Rindssuppe, Lammhuft kombiniert er mit Karfiol. Die gebackenen Räucherforellenbällchen sollten ein Fixstarter sein – flaumige Masse, knusprige Panier, mit Fenchel, Kerbel und Orangenfilets als Frischekontra (10,60). Ein scheinbar unspektakulärer Gang sind die Mangold-Ricotta-Ravioli, aber hallo! Großformate mit viel Füllung und hauchdünnem Teig, mit ebenso dünnen Kohlrabischeiben bedeckt (15,20). Beim Hasenkeulen-Confit (9,90) sind nur die Perlzwiebeln aus dem Glas fehl am Platz. Ein Wermutstropfen ist die minimale, eher unspannende Weinauswahl: Johannes Ley hat mit der Küchenlinie schon Mut bewiesen. Einmal geht’s noch!

Info

Allerley, Tattendorferstraße 2, Bad Vöslau, Tel: 02252/25 18 79, Di–Sa, 17–24 Uhr

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