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Lokal-Kolorit: L’Orient

07.06.2017 | 15:15 |  von Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Pflichtprogramm Pastilla.

Bild: (c) Christine Pichler 

Nichts da mit opulenter Düsternis. Dafür: viel Weiß, viel Licht, farblich zurückhaltende Zementfliesen, ausgesucht schöne Lampen aus Glas und perforiertem Messing. Das L’Orient in der Rotensterngasse im zweiten Bezirk setzt neuerdings auf Offenheit, zur Straße hin wie zur Küche hin – auf jeden Fall eine Bereicherung für das Grätzl. Mustapha Khattat und Marietta Wanner führen auch ein Kochstudio im sechsten Bezirk und haben die Adresse Rotensterngasse kürzlich als reguläres Restaurant geöffnet – davor gab es Privatdinner gegen Voranmeldung. In der einsehbaren Küche steht der im marokkanischen Fes geborene Khattat, umgeben von kleinen Tajines, Gewürzdosen und Tellern mit Ringelmuster und Silberrand. Die kleine Karte beziehungsweise Teile davon sollen wöchentlich wechseln. Noch öfter wechseln wohl die Weine – diese müssen die Gäste nämlich selbst mitbringen. Man schenkt im L’Orient keinen Alkohol aus, das Stoppelgeld beläuft sich auf acht Euro. Das mag wohlfeil erscheinen, dafür bietet man allerdings auch nur recht einfache Gläser und keinen Weinkühler.

(c) Christine Pichler / Bild: (c) Christine Pichler 

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Die Vorspeisen lassen sich in (pardon, aber gibt es eigentlich ein anderes Wort?) Gatsch und gefüllten Knusperteig teilen, zu zweit kann man sich locker durch alle durchkosten. Muhammara etwa, die zinnoberrote Paste aus Paprika, Walnüssen und Granatapfelsirup, möchte man immer wieder auftunken, ebenso die Joghurtsauce mit Minze und Sesampaste oder die zerschmorten Melanzani in gewürzter Paradeissauce. Nicht richtig knusprig und trotz der Gewürzmischung Ras el Hanout aromatisch etwas schwachbrüstig gelingen die Teigröllchen mit faschiertem Rind und Oliven.

Facettenreicher sind jene mit Gemüse und Salzzitronen, ebenfalls mit Ras el Hanout (indirekt ein Loblied auf den Universalretter Salzzitrone). Langsam breitet sich eine gewisse Innenkörperwärme aus – scharf ist hier nichts, warmwürzig sehr wohl. Mit Gemüse gedämpfter Couscous kommt in Begleitung von Rosinen in einer Tajine zu Tisch und ist von besonders fluffiger Körnigkeit. Geschmortes Lammfleisch wird mit (harten) Dörrzwetschken, Mandeln und Sesam kombiniert. Pflichtprogramm ist zweifellos die Pastilla, ein Festtagsgebäck, das man in Marokko auch mit Taubenfleisch macht: ein knuspriges, handtellergroßes Paket aus Teigblättern, im L’Orient mit Hühnerfleisch, geschmorten Zwiebeln, Petersilie und Mandeln gefüllt, mit Staubzucker und Zimt bestreut. Göttlich. Und wann gibt es hier eine Taubenpastilla?

Info

L’Orient, Rotensterngasse 22, 1020 Wien, Tel: 0676/3021230, Di-Sa 11-22 Uhr

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