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Lokal-Kolorit: Süßwasser

01.09.2017 | 16:14 |  von Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Atterseetag, Weißenseetag... Anna Burghardt isst im Wiener "Süßwasser".

Bild: (c) Carolina Frank  

Ein Vater kommt mit seinem kleinen Sohn vorbei, holt zwei Stück Tageskuchen – Schokolade, speckig – die beiden mampfen wie ausgehungert. Eine Dame sitzt an der Hausmauer und bestellt nicht ihr erstes Achtel, ein Männerpaar kostet sich durch Käse und Schinken und macht Fotos vom Ein-Euro-Pfiff für Instagram, in einer Anrainerwohnung wird böse gestritten, man horcht, wird es ausarten? Ein ganz normaler Spätsommerabend in der Theobaldgasse im sechsten Bezirk. Der KFZ-Mechaniker-Meister Benjamin Fehringer hat hier vor ein paar Monaten seinen pittoresken Greißler-Lokal-Hybrid Süßwasser aufgesperrt. Er wollte etwas Eigenes haben und Branche wechseln, erzählt er. Nun importiert er ausgesuchte Lebensmittel unter anderem aus Norditalien, dazu kommen Gläser von heimischen Betrieben wie Beerenhof Hummel oder die hochgelobten portugiesischen Fischdosen von José Gourmet. Außerdem, und vor allem: Fisch von diversen österreichischen Betrieben, frisch, gebeizt, geräuchert, mitnahmefertig eingeschweißt. In der Vitrine liegen stolze Seeforellen vom Weißensee, mit großen dunklen Tupfen auf hellem Grund – jeden Donnerstag wird aus Kärnten geliefert. Dienstag ist Atterseetag, da kommen Wildfang-Reinanken, auch in geräucherter Form, worauf Fehringer besonders stolz ist, „das gibt es fast nirgends“. Bachforellen reisen aus dem Yspertal nach Mariahilf, Biosaiblinge aus Salzburg.

(c) Carolina Frank  / Bild: (c) Carolina Frank  

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Die veredelten Fische gibt es etwa als Platte zu bestellen. Kalt geräuchert, gebeizt, warm geräuchert, mit bestem Olivenöl, Rahm und Brot: tolle Qualität zum Fast-Null-Tarif von 7,50 Euro. Kraftvoller wie eleganter Rinderrohschinken kommt in der Tonnato-Variante, die eigentlich für das Roastbeef vorgesehen ist, aber gut ist’s (8,50). Der Linsensalat mit Räuchersaibling, Forellenkaviar und Rucola (6,50) ist nichts Besonderes, erfrischend säuerlich, aber mit zu weichen Linsen. Als Tagesgericht gibt es eine sehr passable Fischsuppe, die zwar so heißt, aber mit einer Bouillabaisse dennoch nicht viel gemein hat. Und weil der Donnerstag nicht nur Weißensee-Liefertag, sondern auch Beef-Tatar-Tag ist, kommt auch ein solches zu Tisch, mit getoastetem Erdäpfelbrot, passt!

Radikal ist das Getränkeangebot: Offene Weine gibt es drei, Bier kommt von Kaltenhausen und wird wie erwähnt auch als Pfiff um einen Euro gezapft. Und ein Espresso kommt – womit die Nahversorgerrolle sitzt – ebenfalls auf einen Euro.

Info

Süßwasser, Theobaldgasse 16, 1060 Wien, Tel.: 0676/6489474, Mo–Fr, 9–20, Fr 9–18 Uhr

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