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Testessen: Das AÏ im Goldenen Quartier

13.10.2017 | 10:24 |  von Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Internationales Format mit „MA 2412“-Küchenzeiten.

Bild: (c) Walter Luttenberger Photography 

Mit den Fingern auf dem Kupfer herumzutatschen sei von den Architekten zwecks Patina ausdrücklich erwünscht. Den Mitarbeitern des nicht gerade knausrig eingerichteten AÏ im Goldenen Quartier scheint dieser Auftrag (der sich auch an die Gäste richtet) noch etwas unheimlich, aber sie scheinen auch froh darüber zu sein, dass das Putzen des Kupfers kein Thema ist. Der neue zweistöckige Wiener Nobelasiate, für den die Investorengruppe mit Sitz im Libanon fünf Millionen Euro in die Hand genommen hat, ist für das AÏ-Konzept die Europa-Premiere. Nach verzögerter Eröffnung ist das Lokal an einer der verstecktesten und pittoreskesten Ecken der Innenstadt nun schon bestens gefüllt, und ein guter Teil des Publikums kommt wohl nicht zuletzt hierher, um je nach Geschlecht High High Heels oder Uhren Gassi zu führen.

(c) Walter Luttenberger Photography / Bild: (c) Walter Luttenberger Photography 

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Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen; man bekommt hier, um vorzugreifen, richtig gutes Fusion-Essen von internationalem Format. Die Oberaufsicht der Küche hat der Neuseeländer Samuel Wilkes inne, Sören Herzig, davor bei Juan Amador, ist Head Chef. An der Bar: Isabella Lombardo. Sie ahnt, was man trinken will, bevor man es selbst weiß – ihr kleiner, intuitiv angebotener Hanky Panky war exakt das Richtige und überragend gemixt. Um den Wein kümmert sich Patrick Hopf, er glänzt mit Überraschungen und Raritäten. Dass das große Serviceteam zu Beginn noch Abstimmungsprobleme hat, ist nachvollziehbar, aber liebe Kellner, fälschlich servierte Tempura-Garnelen sollten Sie dennoch nicht als Kabeljau verteidigen, möglicherweise werden ein paar rote Schwänze Sie verraten. Was aus einer der drei Küchen – Sushibar, Robata-Grill und Hauptküche – kommt, ist trotz des Andrangs von beträchtlicher Qualität.

Nur die Tempura dürften an ruhigen Tagen noch besser gelingen als bei voller Auslastung. Auf der endlosen Sushikarte: etwa Maki mit Beef Tatar und Klettenwurzel, mit Räucheraal, Apfel und Foie gras (19 Euro) sowie diverse Sashimi (drei Stück ab neun Euro für Saibling). Kleingerichte wie den knusprigen Tintenfisch mit betörend fremdelnden frittierten Curryblättern (15 Euro) oder auch die Salate, etwa mit gebackenen Krabbenbeinen, Avocado und der Zitrus-Sojasauce Ponzu (18 Euro), kann man sich teilen – das will man aber womöglich nicht. Vom Robata-Grill kommt etwa rauchig-saftiges Lamm mit libanesischen 7-Spices, eingelegter Gurke und Yuzu-Joghurt (31 Euro). Wow. Nicht von internationalem Format sind indes die Küchenzeiten: Um 22.30 ist Annahmeschluss.

AÏ, Seitzergasse 6, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/532 29 00, So–Mi 11.30–1, Do–Sa bis 2, Küche bis 22.30 Uhr.

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    1 Kommentare
    Gast: Herr Servus
    13.10.2017 12:31
    0 0

    Ja aber

    Ich stimme zu. Das Essen ist herrlich der Service braucht noch ein wenig aber das wird kommen. Die Preise sind nicht gerade günstig, denn von den Kleinigkeiten braucht man dann doch einige und das summiert sich. Die Weinkarte ist interessant und vielversprechend.
    Aber: 22:30 sollte doch hoffentlich jedem als Küchenschluss reichen.
    Der Satz am Ende wirkt deutlich deplatziert oder musste unbedingt noch was negatives in die Kritik?

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