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Geschmacksfrage: Sky Restaurant

27.10.2011 | 16:07 |  RAINER NOWAK (Die Presse - Schaufenster)

Vergangenheitsbewältigung im Sky Restaurant. Gradwohl und sein Souschef sollten nicht frustriert werden.

Die Rache am Journalismus ist das Archiv. Als ich in der Restaurantmappe über das Sky Restaurant, das 1998 Barbaro’s hieß, meine eigene Kritik fand, wurde mir kurz anders. Wäre der Text ein Lokal gewesen, wäre er so circa der Marchfelder Hof. Aber egal, dreizehn Jahre Essen für die Zeitung später sitze ich wieder hier. Das Lokal über dem Kaufhaus Steffl ist 2011 optisch eine Katastrophe, lieb- und belangloser lässt sich ein Ort nicht gestalten. Der Ausblick ist dringend notwendig, um wegschauen zu können: Stephansdom und Donaukanal-Skyline entschädigen – das gibt jetzt empörte Leserbriefe der vereinigten Ökobürger – auch für die Nichtbeleuchtung der City-Dachlandschaft.

(c) beigestellt
In dem Restaurant von Multiunternehmer Hans Schmid sind nun Joachim Gradwohl und sein Souschef Thomas Göls gelandet, der Erste war bekanntlich gefeierter Koch im Meinl am Graben, wurde im nie eröffneten Hotel Shangri-La nur hingehalten und führt nun Schmids Lokale, neben dem Sky noch den Pfarrwirt. Und weil es Gradwohl ist, kommen die Restaurantkritiker angetrabt, was Gradwohl, der im Gegensatz zu Göls auch nicht immer da ist, nicht übertrieben freut. Er hofft, dass irgendwann umgebaut wird und es dann eine Bar, ein Bistro und ein kleines Fine-Dine-Restaurant geben wird. Tatsächlich ist die Bar gerade mehr Boni-Party denn edle Innenstadtlage.

Und die Touristen werden auch nicht begeistert experimentelle Kost im Restaurant bestellen. Wobei, die liefern Gradwohl und Göls ohnehin nicht, aber eben radikale Veredelung. Zumindest bei meinem Besuch, da waren beide tatsächlich zufällig im Dienst und ließen ihr Talent aufblitzen: Das begann bei einem nichtssagenden Gericht wie Ochsenherzkarotte, Kürbis und Büffelmozzarella, jedes Produkt perfekt, das Gemüse nur leicht gegart. Genial die Kombination von gebeizter Bachforelle, ganz leicht erhitzt, und einem Sud mit Stücken von grüner Tomate: eine fruchtige Geschmacks-
ummantelung für den mild-salzigen Fisch. Auch die Mischung von Rindsfilet, Fisolen und Räucheraal: großartig. Angeblich soll im Frühjahr umgebaut werden. So unter uns beiden, lieber Hans Schmid: So bald wie möglich. Gradwohl und seine Leute sind die letzte Chance für den Laden.

TIPP
Sky Restaurant, Kärntner Straße 19, Tel.: 01/513 17 12, Mo bis Sa, 9 Uhr 30 bis 3 Uhr, So 18 bis 2 Uhr, Küche: bis 23.30 Uhr.

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