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Food-Start-ups: Hungrige Gründer

28.01.2016 | 14:51 |  von Lara Kriwan (Die Presse - Schaufenster)

Beim Food-Start-up-Day im Gründungszentrum der Wirtschaftsuniversität Wien trafen Foodies und Jungunternehmen aufeinander. Ein Blick auf ihre Rezepte.

Jung. Konstantin Preinl und Fabian Raum mit Energy-Riegel Wingman. / Bild: (c) Beigestellt 

Bei Konstantin Preinl und Fabian Raum brachte der Zufall die Idee für das richtige Produkt. „Gründungsaffin waren wir aber schon immer“, erzählt der Nürnberger Fabian Raum. Er studiert Wirtschaftsinformatik, sein Mitgründer macht gerade seinen Master in Maschinenbau. Die beiden Studenten steckten vergangenen Sommer in einer intensiven Prüfungsphase. „Nach einiger Zeit gingen uns die Energydrinks und der ständige Kaffee auf die Nerven“, resümiert Raum. Schon war die Idee für ihren Wingman geboren: eine nussige Fruchtschnitte, die aufputscht und satt macht – ideal für Studierende eben.

(c) Beigestellt Prickelnd. Der steirische Apfelcider Thronprinz ist schon erfolgreich. (c) Beigestellt Prickelnd. Der steirische Apfelcider Thronprinz ist schon erfolgreich.

Begonnen hat alles in Fabian Raums kleiner Küche. „Zuerst mit zu viel Koffein, dann mit Guarana. Aber das war zu bitter.“ Das richtige Rezept war die größte Herausforderung – so ganz ohne Lebensmittelerfahrung. „Außer Kochen vielleicht“, ergänzt der Gründer. „Aber wir haben bei einem lokalen Lebkuchenhersteller geschnuppert, Messen besucht und uns selbstständig Foodie-Wissen angeeignet.“ Erst nach 70 Kombinationen und mit der Hilfe einer Lebensmittelchemikerin fanden die beiden das ideale Rezept für ihre Fruchtschnitte. Die Lösung lautete Grüntee, der einen lang anhaltenden Effekt hat. „Das zusätzliche Koffein sorgt für den schnellen Kick“, sagt der 22-Jährige. Mit der Rezeptur war die Arbeit aber nicht getan. Vergangenen Herbst entwickelten die beiden gemeinsam mit einer Grafikerin die Verpackung und ihre Website. Der wichtigste Schritt steht noch bevor: das Crowdfunding. Denn der Wingman soll früher oder später auch im Supermarkt landen. Bis dahin lernen die beiden jeden Tag dazu: „Wir diskutieren mit Herstellern, überzeugen Vertriebspartner und geben Interviews. Das bietet uns in unserem Alter kein anderer Job.“

(c) Beigestellt Heimisch. Grader Michl: Fruchtmus und Milch, getrennt verpackt. (c) Beigestellt Heimisch. Grader Michl: Fruchtmus und Milch, getrennt verpackt.

Superfood-Automat. Auch die Idee für das Start-up treats keimte im Studentenalltag. Die 27-jährige Camilla Sievers setzte sich schon im Studium der Agrar- und Ernährungswissenschaften mit gesunden Snacks auseinander – einer Marktlücke in Österreich: „In Büros gab es kaum eine Alternative zu den herkömmlichen Automaten.“ Danach ging die gebürtige Deutsche in die USA, wo sie über Adipositas forschte. In dieser Zeit wurde in den USA gerade ein Gesetz für den Automatenverkauf erlassen. Das brachte sie auf die Idee, einen gesunden Snackautomaten zu entwickeln. „Ich bin ein typischer Foodie. Gleichzeitig war da immer schon die Lust, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“, erzählt Sievers. Zurück in Österreich, schloss sie sich mit den BWL-Studenten Alexander Seyss und Ines Grangl zusammen, um im August 2015 treats zu gründen. Treats packt natürliche Müsliriegel, Superfood-Knabbereien, gesundes Popcorn, Gemüsechips und Trockenfleisch in kleine Snackboxen, die nach Hause oder ins Büro geliefert werden. Die Boxen sind so dünn, dass sie durch den Briefschlitz passen. Für Unternehmen bietet das Start-up selbst designte Superfood-Automaten. „Unsere typischen Kunden arbeiten viel und haben keine Zeit für gesundes Essen. Aber sie wissen, dass die richtige Ernährung über einen guten oder schlechten Tag entscheidet.“ Dann ist auch der Preis von mehr als ­
13 Euro für eine Box schnell mal nebensächlich.

Auch Johnny Leonfellner und Dennis Kleckers hat das Gründungsfieber gepackt. Sie wollen mit ihrer ortsabhängigen Einkaufserinnerungs-App Toby, die man seit Kurzem kostenlos herunterladen kann, durchstarten. „Funktioniert ganz einfach“, erklärt der Informatiker Leonfellner und holt sein Handy heraus, „wenn man etwas einkaufen möchte, etwa Brot, speichert man das ein. Kommt man im Laufe des Tages bei einem Geschäft vorbei, erinnert die App an die Einkäufe.“ Die Idee hatte der Wirtschaftsstudent Kleckers: „Ich bin früher vier Mal am Tag an einem Supermarkt vorbeigegangen. Trotzdem ist mir erst am Abend eingefallen, dass ich keine Milch mehr habe.“ Die beiden haben sich vor zwei Jahren kennengelernt, als sie beide bei Microsoft arbeiteten. Die Gründung war für sie kein großes Problem. Leonfellner brachte das Programmiertalent, Kleckers das Wirtschaftswissen ein. „Momentan arbeite ich den ganzen Tag, ein Privatleben kenne ich nicht mehr“, meint der 24-jährige Kleckers, „aber das ist es auch wert.“

(c) Beigestellt Superfood. Ines Grangl und Camilla Sievers stecken hinter treats: Boxen mit gesunden Snacks. (c) Beigestellt Superfood. Ines Grangl und Camilla Sievers stecken hinter treats: Boxen mit gesunden Snacks.

Milchshake mit Mehrwert. Teresa Walch und Franz Emprechtinger arbeiten seit einem Jahr an ihrem regionalen Milchshake Grader Michl. Ihre Idee: Fruchtmus und Milch sind getrennt verpackt, dadurch sind keine Konservierungsstoffe nötig. Die Studenten lernten einander während eines Entrepreneur-Kurses an der Wirtschaftsuniversität Wien kennen. Franz Emprechtinger kommt aus der Landwirtschaft und hat bereits Erfahrung mit kleinen Milchbauern. Mit ihrem Graden Michl wollten die Jungunternehmer nicht nur einen frischen Snack kreieren, sondern auch für Milchbauern einen weiteren Einkommenszweig schaffen. „Eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Endkonsument“, erzählt Teresa Walch. Sie findet es toll, ihre eigene Chefin zu sein. Auch wenn das mit Herausforderungen verbunden ist: „Jedes Problem, das man löst, schafft wieder neue Probleme, die man angehen muss.“ Momentan testen die beiden verschiedene Geschmacksrichtungen. Wenn alles nach Plan läuft, wird ihr Grader Michl ab Sommer in Kantinen und im Einzelhandel verkauft.

Das Start-up-Trio Thronprinz hat bereits geschafft, wovon die anderen noch träumen. Es verkaufte allein in den ersten fünf Monaten 30.000 Flaschen seines steirischen Ciders. Die jungen Gründer Herbert König, Alexander Sattler und Jürgen Trummer kommen aus Winzerfamilien. Die Idee kam ihnen, als sie in Neuseeland ein Praktikum absolvierten. „Man trinkt ihn dort wie Bier oder Wein“, erzählt König. Der 27-Jährige ist für den Verkauf zuständig und ständig in der Welt unterwegs. Ein Expansionsziel ist Asien. „Dort wird Cider besonders gern getrunken.“ Doch auf dem Apfelwein allein wollen sich die drei Steirer nicht ausruhen. „Heuer wird unser Jahr“, meint Herbert König. Mit Thronprinz wollen sie demnächst eine Modelinie gründen. Auch Thronprinz-Konzerte stehen auf dem Plan. An Selbstbewusstsein mangelt es den Gründern jedenfalls nicht.

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