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Modewoche: Fotosafari durch Berlin

25.01.2018 | 08:47 |  von Christina Lechner (Die Presse - Schaufenster)

Fotografierwürdige Locations, starke Frauen und die Auftritte einiger österreichischer Designer beeindruckten bei der Modewoche in Berlin.

Durchblick. Perret Schaad haben mit Silhouette auch an einer Brillenkollektion gearbeitet. / Bild: (c) APA/AFP/dpa/JENS KALAENE 

Musik an, Tür auf. Models betreten den ehemaligen Speisesaal im Berliner Kronprinzenpalais, plaudern für die Zuschauer Unverständliches und schlendern durch den Raum. Gruppieren sich um einen Tisch, stehend, sitzend, angelehnt. Die Musik wird eindringlicher, das Bild, das entsteht, ebenso: das letzte Abendmahl. Ein Model löst sich, tritt nach vorn, zeigt sich und stellt sich wieder zur Gruppe. Reihum wird so die neue Kollektion des Designerinnenduos Perret Schaad präsentiert. „Einen Moment einzufangen und alle Models gleichzeitig zu zeigen und damit zu spielen, war uns wichtig“, verrät Johanna Perret. Gespielt haben die beiden nicht nur mit dem Tableau vivant, sondern auch mit ihren Kollektionen aus dem Archiv: Bereits seit acht Jahren sind sie Teil der Berliner Modewoche. „Wir arbeiten viel mit Schauspielerinnen zusammen, und bei der Ausstattung nehmen wir auch oft einen Mantel aus dem Vorjahr oder von vor zwei Jahren und ein neues Teil. Es entsteht etwas ganz Neues, und das Ganze ist sehr spielerisch. Das entspricht unserer Philosophie“, erzählt Tutia Schaad nach der Show, bei der auch eine Kooperation mit der österreichischen Brillenmarke Silhouette erstmals vorgestellt wurde.

(c) APA/AFP/dpa/BRITTA PEDERSEN  „Wintergarden“. ­Lena Hoscheks Ausflug in die ­Botanik. „Wintergarden“. ­Lena Hoscheks Ausflug in die ­Botanik. / Bild: (c) APA/AFP/dpa/BRITTA PEDERSEN  

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Hauptsache „instaworthy“. Auch andere Labels wollten diesmal neue Wege gehen, um ihre Kollektionen möglichst so zu zeigen, dass sie im Gedächtnis bleiben. Denn das Publikum, bestehend nicht nur aus Presse und Einkäufern, sondern vor allem aus Influencern und solchen, die es noch werden wollen, folgt dem Faktor des „instaworthy“: Locations müssen plakative Möglichkeiten für schnelle Schnappschüsse bereithalten, die sich dann auf Social Media gut verbreiten lassen. Das Label Marc Cain hat seine Show deshalb gleich in der U-Bahn-Station Potsdamer Platz gezeigt, die Kulisse wurde von Graffitikünstlern gestaltet. Jörg Ehrlich und Otto Drögsler von Odeeh wiederum luden in einen ehemaligen Supermarkt in der Nähe des Alexanderplatzes, wo Denim und Hahnentrittmuster aufeinandertrafen und von Looks mit lamettaähnlichen Fransen abgelöst wurden.

(c) Beigestellt Business. Weibliche Führungskräfte im Rampenlicht bei Strenesse. Business. Weibliche Führungskräfte im Rampenlicht bei Strenesse. / Bild: (c) Beigestellt 

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Das Brandenburger-Tor-Museum „The Gate“ war Austragungsort der Show von Strenesse. Das Unternehmen setzte digitale Optimierung, die natürlich auch vor Modeschauen nicht Halt macht, neu um. Und zwar als eine Mischung aus Modeschau und multimedialer Installation.
Auf die 71 Meter große elektronische Panoramawand, die im Museum normalerweise die wichtigsten Ereignisse der deutschen Geschichte aufzeigt, wurden Sprüche wie „The Future is Female“ projiziert. Feministische Leitsprüche dieser Art hat Dior-Designerin Maria Grazia Chiuri in der Modewelt populär gemacht, der Trend scheint aber erst jetzt so richtig in Berlin angekommen zu sein. Emanzipation ist auch das Leitmotiv der neuen Kollektion von Marina Hoermanseder. Die österreichische Designerin zeigte ihre Models dafür plakativ im Military-Stil und Lederkonstruktionen. Die zum Markenzeichen gewordenen Schnallendetails durften natürlich nicht fehlen, ebenso der musikalische Wink an das Heimatland mit „Schifoan“ von Wolfgang Ambros und Falcos „Junge Römer“.

Grenzübergreifend. Österreich war auch mit Lena Hoschek vertreten. Sie setzte in ihrer „Wintergarden“-Kollektion ganz auf botanische Motive und zeigte ihre Kollektion im Großen Tropenhaus des Botanischen Gartens. Martina Müller stellte ihre Callisti-Kollektion in der Eventlocation E-Werk in Berlin Mitte vor, die Tirolerin Rebekka Ruétz präsentierte ihre Looks in der österreichischen Botschaft.

(c) APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene Glanzvoll. Lametta im ehemaligen Supermarkt bei Odeeh.Glanzvoll. Lametta im ehemaligen Supermarkt bei Odeeh. / Bild: (c) APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene 

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Auch Schweizer Modeschaffende gingen diesmal über die Landesgrenzen, und zwar mit der ersten Swiss Fashion Night in der Schweizer Botschaft in Berlin. Inklusive Handtaschenkontrolle, ehe es in die Räumlichkeiten, die zu einem Showroom umfunktioniert wurden, ging. Tanja Klein, die vor 17 Jahren ihr Label Kleinbasel gründete und drei Läden in Bern, Zürich und Basel betreibt, hat die Gelegenheit wahrgenommen, um dem deutschen Publikum sich und vor allem ihre Kollektion, die als Coordinate Collection aufgebaut ist, zu zeigen. „In der Schweiz sind wir sehr etabliert, aber hier total unbekannt. Es ist eine tolle Möglichkeit, denn für die Schweiz ist es ja nicht so einfach, über die Grenzen zu gehen.“

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