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E-Commerce: Luxuriös und virtuell

06.12.2012 | 16:21 |  von Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Lifestyle-Profis bringen mit ungewöhnlichen Konzepten frischen Wind in den Luxus-E-Commerce.

Der Sinn für gehobenes Geschäftemachen dürfte Emanuele della Valle in die Wiege gelegt worden sein. Als Sohn des Diego gleichen Nachnamens, der ja das Imperium um die Marke Tod’s aus dem Boden stampfte, ist Emanuele in engem Kontakt mit der Luxusbranche aufgewachsen. Während Vater Diego sich letzthin als ambitionierter Marken-Reanimateur gibt (bald startet die Neuauflage von Elsa Schiaparelli unter seiner Ägide, mit Roger Vivier statuierte er bereits 2002 ein Wiederbelebungsexempel), blickt Emanuele della Valle in jene zukunftsweisenden Räume, die von einer jüngeren Unternehmergeneration frequentiert werden: die virtuellen.

Virtuelle Traumwelt.
Seit Mitte der Neunzigerjahre sammelte Emanuele Erfahrungen im familieneigenen Konzern, war zunächst USA-Marketingchef von Tod’s und nach seiner Rückkehr für die erst 1998 lancierte, jüngere Zweitmarke Hogan zuständig. Digitale Aktivitäten spielten schon in diesem Betätigungsfeld eine wichtige Rolle, ganz und gar in den Mittelpunkt rückten sie dann bei Emanueles letztem Steckenpferd, der Risikokapital-Investmentfirma Mediaband Capital, gegründet 2011.

In diesem Zusammenhang interessiert er sich für allerlei virtuelle Trends und zwar immer dort, wo sich eine Anbindung an die Luxus-Lifestyle-Branche anbietet. So startete im März 2012 das von Mediaband finanzierte Portal ElizabethStreet.com – die Zielgruppe sind „stylish moms“ auf aller Welt, die sich gegenseitig mit schicken, doch familienkompatiblen Metropolentipps versorgen. Der zweite Pfeiler in Emanuele della Valles Web-Kosmos ist LifestyleMirror.com: Auch hier soll ein Angebot für User auf der Suche nach „dem Besonderen“ geschaffen werden. Als Schlüssel zum kommerziellen Erfolg identifiziert della Valle im Gespräch mit dem „Schaufenster“ eine Kombination aus begehrenswerten Konsumgütern und interessantem Content: „Man muss den Usern das Gefühl geben, dass sie sich einer Traumobjektwelt  durch einzigartige Inhalte annähern.
Eine Kombination aus redaktionellen Inhalten, Online-Shopping und zusätzlichen Service-Angeboten führt zum Erfolg.“ Ein Alleinstellungsmerkmal des Lifestyle Mirror ist die Anbindung an Emanuele della Valles persönliches, weit gespanntes Netzwerk. Dieser Celebrity-Faktor verführt, und ohnehin bleibe, so der Unternehmer, die Anbindung an das echte Leben weiterhin wichtig: „Online-Shopping wird immer nur in Komplementarität zu einem Einkaufserlebnis im echten Leben funktionieren. Mit Freunden shoppen zu gehen, ist für viele wichtiger Bestandteil ihrer Freizeit.“

Von Berufs wegen überwacht della Valle „junior“ natürlich auch die Vorstöße anderer Start-ups, die mit neuartigem Angebot punkten wollen. Zwar ist im Bereich von Online-Shopping, das auch auf redaktionelle Inhalte setzt, letzthin leichte Stagnation zu verzeichnen, eine andere Innovation lobt er aber ausdrücklich: „Die Idee von ModaOperandi.com, Kollektionen vom Laufsteg weg den Konsumenten für Vorbestellungen anzubieten, ist brilliant. Für Modeunternehmen bieten sich hier außerdem Möglichkeiten der Zielgruppenanalyse.“

Heute bestellen, in sechs Monaten anziehen. Eine der beiden Gründerinnen von Moda Operandi, Aslaug Magnusdottir, weist in einem Telefonat ebenfalls auf diesen Aspekt hin: „Die Labels, mit denen wir zusammenarbeiten, zeigen sich erfreut darüber, dass sie durch uns sehen, welche Kollektionsteile ihre besonders modebewussten Kunden kaufen wollen.“ Nicht selten würde eine für rentable Produktion notwendige Mindestbestellmenge nur dank Moda-Operandi-Vorbestellungen erreicht. Auf den Aspekt „Luxus im Web“ angesprochen, weist Magnusdottir zugleich auf das Bezahlmodell hin: „Wir wenden uns mit unserem Angebot nicht nur an Superreiche und haben viele Teile im Angebot, die schon um 100 Dollar zu haben sind. Außerdem reagieren unsere Kunden positiv auf die Zahlungsmethode: 50 Prozent bei Bestellung, 50 Prozent bei Lieferung – diese teilweise Vorfinanzierung ist vielen sehr recht.“

Noch weniger kostenintensiv verläuft indes ein virtueller Einkaufsbummel in den Jagdgründen von Tictail.com, einer weiteren Plattform, die 2012 von sich reden machte. Das Unternehmen mit Sitz in Stockholm wurde von vier jungen Männern gegründet, die ein Hosting-Service für Kleinhändler einrichten wollten. „Wir wollten nicht so sehr eine neue E-Commerce-Plattform ins Leben rufen, sondern eine neue Generation von Webshops“, bringt Carl Waldekranz die Idee auf den Punkt. „Wir wenden uns an alle potenziellen Onlinehändler, denen mehr an ihren Erzeugnissen gelegen ist als an dem Technologie-Schnickschnack.“ So soll Tictail zum Synonym für die angesprochene neue Webshop-Generation werden. Und selbst wenn der Exklusivitätsgrad des Tictail-Angebots gemeinhin geringer ausfällt als bei Lifestyle Mirror oder Moda Operandi, lässt sich doch bestimmt in der einen oder anderen dort eingerichteten Shopping-Nische ein nicht mehr gebrauchtes Luxusschnäppchen auffinden. Auch im Netz schließen sich eben manchmal die Kreise.

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