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Technik macht Kleidung

04.12.2017 | 09:26 |  von Christina Lechner (Die Presse - Schaufenster)

Potenziale und Möglichkeiten neuester Technologien in der Modeindustrie lotet eine Ausstellung aus.

Ein Faden. Unzählige Möglichkeiten zum Auftrennen und Neustricken. / Bild: (c) Beigestellt 

Kleidung nach dem Lebenszy­klus neues Leben einhauchen: Das war die Idee hinter dem ursprünglichen Studentenprojekt „Transitory Yarn“ von Alexandra Fruhstorfer, Anna Neumerkel und Maximilian Scheidl, die Industrial Design an der Angewandten studiert haben und teilweise noch studieren. Erreichen will man das durch Auftrennen und Wiederverstricken. „Ein Kleidungsstück kostet weniger als ein Bier in einem Beisel, obwohl es Tausende Kilometer unterwegs war. Da kann etwas nicht stimmen“, erklärt Fruhstorfer den Gedankenanstoß. Mit dem Projekt wollen sie die Wegwerfgesellschaft, in der kontinuierlich produziert und verkauft wird – und daher zwangsläufig viel weggeschmissen werden muss – hinterfragen. „Wir sehen Design auch als sozialpolitische Aufgabe. Indem man mehr Fragen stellt und nicht nur fertige Lösungen präsentiert.“

(c) Beigestellt Transitory Yarn. Mit ­Technologie gegen die ­Wegwerfgesellschaft. Transitory Yarn. Mit ­Technologie gegen die ­Wegwerfgesellschaft. / Bild: (c) Beigestellt 

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Zurück zum Faden. Fünf Monate wurde intensiv an dem Projekt gearbeitet. Entstanden ist eine Art Maschine, die Kleidungsstücke komplett auftrennen kann. Am besten funktioniert es mit Wolle, außerdem ist das Kleidungsstück im besten Fall aus nur einem Faden gefertigt, ansonsten erhält man zum Schluss viele kurze Fäden. Deshalb wurde auch eine Beispielkollektion angefertigt. Damit die Naht, mit der alles aufzutrennen ist, einfach zu finden ist, wurde ein spezieller Knopf entwickelt, der die Maschen hält. „Das Auftrennen soll zum einen zelebriert werden, zum anderen stecken in dem smarten Knöpfchen Informationen, wie etwa die Schnittgröße oder in welcher Generation sich das Stück befindet, also die Geschichte des Fadens“, führt Fruhstorfer aus.

Vollautomatisierte Massenproduktion, die durch neue Technologien auch Individualisierung etwa in der Kleidergröße möglich macht, gilt für viele unter dem Begriff Industrie 4.0 als die Zukunft der (Mode-)Industrie. „Wir loten mit unserem Projekt das Potenzial aus. Es hat auch viele Vorteile, was die Ökologie angeht, aber auch im Bereich lokaler Produktion.“

(c) Beigestellt Weftwarp. Gewebte Schuhe mit einer Portion Handwerk. Weftwarp. Gewebte Schuhe mit einer Portion Handwerk. / Bild: (c) Beigestellt 

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Mensch und Maschine. Handwerk und neueste Techniken verbinden will Studienkollege Daniel Kloboucnik mit seinem Projekt „Weftwarp“. Er arbeitet mit CNC-Technolgie und klassischer Weberei. „Das Handwerk muss erhalten bleiben. Die Maschine webt die Kette, der Schuss – also der Querfaden – muss per Hand eingezogen werden, ebenso die Sohle.“ Fünf Paar Schuhe wurden schon hergestellt, der erste Prototyp ist aber noch nicht ausgereift. Das soll sich mit der Hilfe von Schustern und einem zweiten Prototyp ändern. Denn zu jeder Bewegung gibt es auch eine Gegenbewegung, der Vollautomatisierung steht die Lust am Handwerk gegenüber. „Wenn Produkte nicht ganz perfekt sind, dann ist das mittlerweile ein Qualitätsmerkmal.“

Tipp

„Transitory Yarn & Weftwarp“. Noch bis 17. Dezember läuft die Ausstellung in der Kunstfabrik Groß Siegharts. www.galerien-thayaland.at

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