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Rätsel um Naketano: Eine "Mega-Cash-Cow" verschwindet plötzlich

08.01.2018 | 11:37 |   (DiePresse.com)

Mit einer knappen Mail und ohne Erklärung erklärte das erfolgreiche deutsche Modelabel Naketano das Ende des Geschäftsbetriebs. Die Branche rätselt über die Gründe.

Die Modemarke Naketano kündigte das Aus an. Die Textilbranche steht vor einem Rätsel. / Bild: Screenshot  

In einer knappen Mail verkündeten Sascha Peljhan und Jozo Lonac das Aus der Marke Naketano: „Wir liefern nur noch bis zum 31.12.2018. Der Webshop wird zum Ende des gleichen Tages offline gehen. Firma und Marke werden nicht verkauft – Anfragen dieser Art bleiben unbeantwortet. Es ist Zeit für eine Veränderung.“ Anfragen von Geschäftspartnern, Medien und Fans der Marke, die auch in österreichischen Bekleidungsgeschäften verkauft wird, bleiben unbeantwortet.

Julian Flocke, Geschäftsführer von vier Bekleidungsläden, ärgert sich in einem Gespräch mit "Spiegel Online": "Schlimm ist die Art und Weise, wie das Aus einfach in einem Nebensatz verkündet wird“. Flocke sagt, die Kommunikation sei schon immer ein Problem gewesen: "Naketano war schon immer ein großer schwarzer Kasten“. Allerdings hätte sich die Produkte immer gut verkauft.

Auch zur Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ sagte ein Händler: „Naketano ist eine Mega-Cash-Cow. Wir haben mit der Kollektion in der vergangenen Saison ein Umsatzplus von 50 Prozent gemacht. Es wird schwierig, das zu kompensieren“. Das bestätigt auch der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss aus dem Geschäftsjahr 2015: Damals stieg der Überschuss auf mehr als zehn Millionen Euro.

"Das ist ziemlich dumm“

Warum also das plötzliche Ende der Geschäftstätigkeit? Manche vermuten einen PR-Gag, andere Branchenkenner glauben, das Label soll verkauft werden und man wolle mit der Nachricht Investoren anlocken. Ein simplere Erklärung liefert ein Insider, der die beiden Geschäftsführer persönlich kennt, im Gespräch mit „Spiegel Online“: Die Gründer, die das Label von Anfang an eher als Hobby gesehen haben, hätten einfach die Lust verloren. Sie seien keine klassischen Unternehmer. "Es wäre clever gewesen, die ganze Marke zu verkaufen. Den Geschäftsbetrieb jetzt plump einzustellen, ist ziemlich dumm", so der Insider weiter.

Gegründet wurde Naketano im Jahr 2005, bekannt wurde es für seine Hoodies und Jacken mit den typischen weißen Korderln. Was Händler gerne verschwiegen haben, sind die eigenartigen Produktmarken: Vom "Fleissigen Bumserlein" über „Blasinstrument“ bis zum "Schwanzus Longus" . Während viele Träger der Marke die „originellen“ Namen lustig fanden, wurde den Unternehmen aber auch immer wieder Sexismus vorgeworfen.

Kuriose Mode: Wenn Designer daneben greifen

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>>> Bericht auf "Spiegel.de"

(sk)

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