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Amanshausers Album: „Food Zurich“

11.09.2017 | 10:20 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

22: Gastro-Messen können nervige Werbeveranstaltungen sein. Und dann gibt es noch die Food Zurich.

Bild: (c) ZT Food Zurich 

„Vielen Dank, dass ihr die erste Ausgabe von Food Zurich so zahlreich unterstützt habt“, las ich einige Wochen nach meinem Besuch der ersten Züricher Food-Messe (die man ohne Ü-Pünktchen schreibt) auf der Homepage. Und: „Wir sind immer noch übergewichtig.“ Es stand in Wirklichkeit „überwältigt“. Aber ich erinnerte mich offenbar allzu konkret an die wunderbaren Dinge, die ich entgegen aller Vernunft an jenen warmen Herbsttagen 2016 in mich hineingestopft hatte. Vor allem behagte mir, dass ich einmal im Leben eine angenehme Essensmesse besuchte.

Aber darf man überhaupt noch „Essen“ zum Essen sagen, wenn es sich so schick und in Form von Messen präsentiert? Heißt es nicht überhaupt längst auf Deutsch „Food“? Wie auch immer, zumindest in Österreich könnten, ja sollten wir es weiterhin „Essen“ nennen, da die Muttersprache im Zusammenspiel mit dem gängigen Akzent die unausrottbare Tendenz in sich birgt, den Anglizismus wie ein vulgäres Synonym für das weibliche Geschlechtsorgan klingen zu lassen.

Davor hatte ich bereits zwei Mal solche Messen besucht. Die erste empfand ich als recht nervige Werbeaktion, die zweite als Studentenkantine. Die Food Zurich (7.–17. September) kann ich jedoch jedem empfehlen, sie war anders. Ich machte eine Führung durch das Industriequartier mit, wo heute keine Industrie vorherrscht – spätestens die Ölkrise der 1970er-Jahre legte sie brach – sondern charmante Lokale und lebhaftes Nachtleben.

Dieses auch in kultureller Hinsicht Trendquartier heißt Zürich-West, diesmal durchaus mit Ü-Pünktchen. Neben dem Kino Abaton liegt die Hausbrauerei des Restaurants Steinfels, die sogar Biermuffel wie mich zum Lächeln bringt. Das war nur einer der 100 Anlässe, die ich besuchte (ganz so viele waren’s vielleicht nicht, aber ganz so viele gibt es), auch die restlichen 99 waren oder klangen erfreulich – das Street Food Festival am Güterbahnhof ebenso wie das Eat-In an der langen Tafel. Schön an der Food Zurich ist vor allem, dass es so bodenständig und normal wirkt – wenn auch die Preise recht schweizerisch sind.

Tipp

Bei der jährlichen „Food Zurich“ kann man sich durch viele verschiedene Küchen durchkosten. www.foodzuerich.com

 

www.amanshauser.at

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