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Amanshausers Album: Wunderwerk

12.12.2017 | 16:19 |  Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

36 - „Einmal im Leben durch Wuppertal schweben.“ Wie ein guter Tourismus-Slogan wirkt.

Die Wuppertaler Schwebebahn wurde am 1. März 1901 eröffnet. Dieses Verkehrskunstwerk ist das Sight dieser „Großstadt im Grünen“ und steht seit 20 Jahren unter Denkmalschutz. / Bild: (c) imago/blickwinkel 

Die Wuppertaler sagen über ihre Stadt etwas despektierlich, das Schönste sei, dass man „von hier so schnell überall sein kann“. Zivilisiertes Understatement, denn sie bietet etwas Einzigartiges: die Schwebebahn.

Ich hatte als Bub (in Wuppertal würde man Junge sagen) ein Pickerl (in Wuppertal: Aufkleber), das auf meinem Kasten (in Wuppertal: Schrank) pickte (in Wuppertal: klebte), mit einem eindringlichen Slogan (Spruch):
„Einmal im Leben durch Wuppertal schweben.“ Auf dem Bild legte sich die Schwebebahn in die Kurve. Ich wusste, eines Tages würde, ja musste ich da hinfahren.

Seit 116 Jahren fährt dieses Wunderwerk eine 13,3 Kilometer lange Strecke unter seinen Stützen durch das Tal der Wupper, zehn Kilometer davon über dem Fluss („Wasserstrecke“), den Rest über Straßen („Landstrecke“). Sie benötigt knapp eine halbe Stunde. Kaiser Wilhelm II. durfte die Bahn bereits im Oktober 1900 testen, im Folgejahr ging sie in Betrieb. Diese Schwebebahn, technisch gesehen eine „Einschienenhängebahn“, gebaut unter Carl Langen (1833–1895), ist Mahnmal dafür, dass es – besonders für mittelgroße urbane Zentren – auch andere Lösungen als die von der Tunnelbohrlobby favorisierten Untergrundbahnen gibt. Und auch dafür, dass menschliche Fantasie originelle verkehrstechnische Lösungen finden kann. Leider ging das Modell nie in Serie.

Abgesehen von dem Unglück 1999 – nachts vergaßen Bauarbeiter eine „Kralle“ auf den Schienen, die erste Bahn touchierte, Absturz, fünf Tote – schwebten die Passagiere in Sicherheit. Das erstaunlichste Ereignis begab sich im Jahr 1950. Die Elefantenkuh Tuffi (1946–1989) aus dem Circus Althoff, ihres Zeichens Verkehrsmittelprofi (war in Straßenbahnen gefahren und kannte Hafenrundfahrten), sollte als Werbung für das Gastspiel mitfahren.

Als ein Sitz unter Tuffi zusammenbrach und sie sich tapsig umdrehte, löste sie unter ihren Mitreisenden Panik aus, geriet dadurch selbst in Platzangst, durchbrach kopflos eine Fensterfront und sprang zehn Meter tief in die Wupper – wo sie sich im Schlamm nur leicht verletzte.

www.amanshauser.at

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