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Amanshausers Album: Konfliktpotenzial

02.03.2018 | 13:27 |  Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Darf man im Flugzeug furzen? Offenbar schon. Aber stänkern darf man zum Glück nicht.

Das Konfliktpotenzial in einem Flieger ist groß: Seien es die Lehnen zwischen den Sitzen, sei es das mehrmalige Aufstehen. Olfaktorische Beeinträchtigungen sorgen für gröbere Brösel. / Bild: (c) imago/Martin Bäuml Fotodesign 

Ich saß im Flugzeug auf einem Fensterplatz. Andere essen Chips oder so, ich hingegen versuche während der verlorenen Flugstunden auf dem Computer zu schreiben. Ich mag ja keine Chips. Zu salzig. Ich tippe lieber Texte. Meine Tipp-Gewohnheiten stammen aus der Schreibmaschinenära. Als Kind besaß ich eine „Mercedes“. Man musste ordentlich in die Tasten hauen. Ich tue das leider weiterhin. Kann nicht anders. Da drehte sich mein Vordermann, Philosophengesicht, um und sagte mit hoher, etwas jammernder Stimme: „Ich bin schon total kaputt! Sie tippen so fest. Das ist so furchtbar für mich. Mein Rücken tut extrem weh. Sie beuteln meinen Sitz durch.“ Ich entschuldigte mich in aller Form und setzte meine Arbeit auf den Oberschenkeln fort – unbequem für einen, der so reinhaut wie ich. Immer wieder kam mir seine Wortwahl in den Sinn. Dass er „schon total kaputt“ sei. Am Ende des Fluges war dann ich total kaputt, während der Philosoph unter seiner Augenmaske wie ein Baby schlief.

So zahm wie der wehleidige Philosoph sind Fluggäste selten. Ich erlebte wilde Kämpfe um Sitzplätze und einen um Beef (statt Chicken). Einmal flog ich mit einer Gruppe lauter, frustrierter Rapid-Fans. Ein Fan wollte sich eine Zigarette anzünden. Die Flugbegleiterin ging dazwischen und wies ihn höflich, aber bestimmt auf die Konsequenzen der Aktion hin (kostenpflichtige Notlandung, Verhaftung). Die Rapid-Fans waren nun nicht mehr laut und frustriert, sondern nur noch frustriert.

In einer Maschine der niederländischen Transavia auf dem Weg von Burgas nach Amsterdam kam es jüngst zum Konflikt zwischen einem dauerfurzenden Fluggast („Blähungen“) und vier erbosten Holländern, die ihn dazu bringen wollten, von seiner lassenden Tätigkeit abzulassen. Doch der Bösewicht furzte unverdrossen weiter. Der Streit schlug immer höhere Wellen, das Personal war überfordert, und so landete der Pilot in Wien Schwechat, wo die Unruhestifter von Beamten der Landespolizeidirektion Niederösterreich aus dem Flugzeug eskortiert wurden. Der Furzkaiser flog weiter.

www.amanshauser.at

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