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Los Angeles: Ein Hauch von Hollywood für den Zaungast

23.01.2018 | 15:13 |  VON PIA HOFFMANN (Die Presse)

In den ersten Monaten des Jahres, wenn eine Preisverleihung die nächste jagt, spricht man in Los Angeles von der fünften Jahreszeit, der Award-Saison. Für Reisende die Zeit, um Stars über den Weg zu laufen.

Charlize Theron bei den 89th Academy Awards / Bild: Reuters 

Zwei junge Mädchen fotografieren eine Marmorfliese auf dem Hotelfußboden. „Genau hier ist Johnny Depp gestanden“, sagen sie aufgeregt kichernd. Das Millennium Biltmore Hotel in Downtown Los Angeles gilt als die erste Adresse für Prominente. Hier ist es nicht ungewöhnlich, dass Fans in der Lobby warten, um einen Blick auf ihren Lieblingsstar zu erhaschen. Mehr als hundert berühmte Kinofilme und Fernsehserien wurden in diesem Luxushotel gedreht, darunter „Independence Day“, „Ocean's Eleven“, „Rocky“, „The Bodyguard“, „King Kong“, „Ghostbusters“ und „Spiderman“.

International bekannte Schauspieler wie Eddie Murphy, Nicolas Cage oder Brad Pitt geben sich hier die Klinke in die Hand. „Irgendein Prominenter ist immer im Biltmore zu Gast“, erzählt der langjährige Bankettchef Steve Eberhard, „aber während der Award-Saison wohnen hier bis zu hundert Weltstars gleichzeitig“. In dieser Zeit schlafen die Hollywood-Größen nicht nur in den goldverzierten Suiten des Celebrity-Hotels, sondern halten dort auch ihre Pressekonferenzen ab, veranstalten Anproben, absolvieren Friseur- und Make-up-Termine, trinken Tee im Rendezvous Court und feiern bei den legendären Aftershow-Partys im Ballsaal.

Geistesblitz im Ballsaal

Das Staples Center, wo seit 14 Jahren die Grammy Awards stattfinden, liegt gleich die Straße runter. Zum 60. Geburtstag der Grammys in diesem Jahr wird der Musikpreis jedoch überraschenderweise in New York (28. Jänner) verliehen. Die große Arena im Unterhaltungsbezirk von Downtown L. A. bleibt trotzdem ein Schrein für Musikfans. Nebenan lädt das Grammy Museum zu einem Rundgang durch die Historie der bedeutenden Musiktrophäe ein. Und, genau, die Geschichte des wichtigsten Filmpreises, des Oscar, begann vor exakt 90 Jahren im Biltmore Hotel.

Im Crystal Ballroom, einem prunkvollen Saal mit Säulen, Theaterbalkons und schweren Brokatvorhängen, hielt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences 1927 ein Bankett ab, bei dem die Idee zu den Oscars aufkam, die auch als Academy Awards bekannt sind. Steve Eberhard zeigt auf einen der runden Tische im Ballsaal. „Genau hier hat der künstlerische Direktor von MGM damals einen ersten Entwurf der Oscar-Statue auf seine Serviette gezeichnet.“ Zwar fand die erste Oscar-Verleihung im Roosevelt Hotel statt; in den 1930ern und 40ern wurde der Filmpreis aber mehrfach im Biltmore Hotel vergeben.

Heute spielt sich die Oscar-Zeremonie im Dolby Theatre im Herzen Hollywoods ab. Zum 90. Jubiläum der Academy Awards in diesem Jahr werden am 4. März alle großen Hollywood-Ikonen erwartet. Nachdem „La La Land“ mit Ryan Gosling und Emma Stone beim Heimspiel im vergangenen Jahr Preise in zahlreichen Kategorien abräumte, werden diesmal Filme wie „Dunkirk“, „The Shape of Water“, „Get out“ und „Wonder Woman“ hoch gehandelt. Wer sich rechtzeitig einen Platz am roten Teppich erkämpft, kann versuchen, einen Blick auf die anfahrenden Limousinen zu erhaschen.

Stars im Supermarkt

Doch während der Award-Saison, wenn sich alle großen Stars in Los Angeles aufhalten, steigen die Chancen, einen von ihnen auch ganz zufällig auf der Straße zu treffen. „Am wahrscheinlichsten ist eine Begegnung im Supermarkt Gelson's in den Pacific Palisades“, verrät Promi-Expertin Susan Lomax. „Aber auch das Restaurant The Ivy am Robertson Boulevard und die Imbissbude Pink's Hot Dogs in der La Brea Avenue werden häufig von Stars frequentiert. In der Award-Zeit sollte man Ausschau halten nach Paparazzi und Autos mit dunklen Scheiben. Denn verdunkelte Windschutzscheiben sind nämlich in L. A. verboten, und nur die wirklich großen Stars können sich das hohe Bußgeld leisten.“ Wer auf Nummer sicher gehen will, besorgt sich kostenlose Tickets für die Aufzeichnung einer der vielen täglichen Fernsehshows oder studiert die Darstellerliste aktueller Theateraufführungen.

Mode für die Oscar-Stars

Auch eine Busfahrt zu den Häusern der Stars mit StarLine Tours oder zu den heißesten Promi-Spots der Stadt mit TMZ Tours bietet die Chance, Berühmtheiten live zu erwischen. Als Insidertipps gelten vor allem die angesagten Mode- und Schmuckläden in den Einkaufszentren The Beverly Center und The Grove sowie die Nobelboutiquen am Rodeo Drive. Wahre Hollywood-Diven lassen ihre Roben freilich nach Hause liefern. Für Promi-Designer Kevan Hall, der bereits Abendkleider für Sharon Stone, Halle Berry, Céline Dion und Michelle Obama entworfen hat, sind die Oscars gleichzeitig ein Modepreisgericht. „Wenn eine berühmte Schauspielerin mein Kleid auf dem roten Teppich trägt, steigert das meinen Marktwert enorm“, gibt Hall zu. „Das betrifft nicht nur das jeweilige Kleid, sondern die gesamte Kollektion. Mit einem einzigen Auftritt bei den Oscars kann ein Star einen weltweiten Modetrend lostreten.“

Info

Nächste Awards: Grammys, Oscars
Flug: ab Frankfurt–Los Angeles mit Lufthansa oder United Airlines Unterkunft: Millennium Biltmore Hotel, www.millenniumhotels.com
Weitere mit Award-Specials: The Hollywood Roosevelt, InterContinental Los Angeles, The Beverly Hilton
Tickets: www.ticketmaster.com
www.thevipconcierge.com
Infos: www.DiscoverLosAngeles.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.1.2018)

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