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Passbilder

30.06.2017 | 14:03 |  Annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Der Urlaub steht vor der Tür. Die Reise ist geplant. Jetzt brauche ich nur mehr einen neuen Pass.

 

Und für den neuen Pass brauche ich neue Passbilder. Das geht ruckzuck! Passbildfotografen googeln, hinradeln, sich vor eine weiße Wand stellen, 30 Sekunden lang streng schauen, mit einer hochauflösenden Blitzkamera abgelichtet werden, 20 Sekunden warten, 10 Euro zahlen, und schon hat man vier neue Passbilder in der Hand! Einziges Problem: Die Fotos zeigen eine andere Frau. Gut, es besteht eine vage Ähnlichkeit. Vielleicht schaue ich so aus, wenn ich drei Tage lange nicht gegessen und geschlafen habe und man mir gerade mitgeteilt hat, dass mein Lieblingscafé für immer seine Pforten schließt. Und okay, das Foto würde jetzt mindestens zehn Jahre lang Zollbeamte, Hotelangestellte, Polizisten in aller Welt das Fürchten lehren, aber wenn ich mich in eine Depression hineintheatern will, kann ich mich genauso gut unglücklich verlieben.

Also beschließe ich, die Fotos für meinen übernächsten Pass aufzuheben und es noch einmal zu probieren. Andere Frisur, anderer Lippenstift, andere weiße Wand, anderer Fotograf. Ergebnis: gleich. Gut, das kann ein Zufall sein. So schnell gibt man nicht auf! Besuch bei der Kosmetikerin, neuer Fotograf, neue Fotos! Na bitte, das ist ja ganz etwas Anderes! Allerdings sind die Augenbrauen ein bisschen sehr dunkel und die Kasperlwangen ein bisschen sehr rot und Hotelmanager, Zollbeamte und Polizisten würden jetzt vermutlich zehn Jahre lang auf einen etwas komischen Beruf tippen. Jetzt bleibt nur mehr der Fotoautomat. Da erkennt einen zwar nicht einmal die eigene Mutter, aber dem biometrischen Passscanner reicht es. Und die Reise kann ich sicher verschieben.
Schönen Sommer :)!

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