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Die Ich-Pleite: Spartenvergnügen

10.01.2018 | 09:44 |  Annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Das neue Jahr hat schon etwas Gutes gebracht.

 

Man sitzt wieder gemütlich zu Hause und braucht nicht mit dem Zug irgendwohin zu fahren. Das heißt: Das Zugfahren wäre nicht das Problem gewesen, weil umweltfreundlichkeitsmäßig gibt es nichts Besseres. Aber das Ticketkaufen ist leider zum Spartenvergnügen für Menschen mit außerordentlich starken Nerven und ungewöhnlicher Intelligenz geworden. Beim ÖBB-Ticket-Kaufen trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn man sich bisher vormachen konnte, dass man noch meilenweit von dem Stadium entfernt ist, in dem man ein buntes Tablettenschächtelchen braucht, damit man die Morgenpille nicht dreimal schluckt, weiß man jetzt: Weiter weg ist man von den begabten Jungs und Mädels, die für die Programmierung der ÖBB-Website zuständig waren.

Sicher war ihnen nicht bewusst, dass manche Menschen einen guten Tag haben müssen, wenn sie online eine Fahrkarte von Wien nach Innsbruck kaufen möchten. Wahrscheinlich hätten sie auch nicht gedacht, dass man einen Informatik-Bachelor braucht, wenn man im Nachhinein noch einen Platz reservieren will. Weil sie haben ja einen. Aber wegen der Depressionen, der Familienstreite und Bluträusche, die sie dadurch vielleicht auslösen, brauchen sie kein schlechtes Gewissen zu haben! Denn dafür haben sie einen neuen Retrotrend begründet. Die Slow-Ticketing-Bewegung! Immer mehr Menschen machen sich am Vortag auf den Weg zum Bahnhof und kaufen ihre Fahrkarte am Schalter. Wie früher. Kann aber natürlich schon sein, dass sich der eine oder andere im Auto auf dem Weg zum Bahnhof denkt: Ach was, jetzt bin ich schon durch die ganze Stadt gefahren, da kann ich eigentlich gleich weiterfahren.

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    2 Kommentare
    elukschandl
    16.01.2018 09:40
    0 0

    Taube Ohren

    Großartig, Frau Annemarie!

    Die IT-Abteilung der ÖBB scheint in einem Elfenbeinturm zu leben und nie andere Webseiten zu besuchen sonst würden sie wissen, wie die einzelnen Schaltflächen gewohnheitsrechtlich standardisiert gestaltet werden. (OK, Weiter, Zurück etc.).
    Und was die Automaten betrifft, so wurde die Entnahme des gekauften Tickets zu einem Training der Feinmotorik der Finger. Die Tickets sind jetzt größer (Hilfe für ältere Menschen?), verbarrikadieren sich dadurch jedoch hartnäckig hinter der klein gebliebenen Plastikklappe.

    Vote blanc
    12.01.2018 11:22
    0 0

    Wenn die ÖBB nur die Qualität der DB erreichte ...

    - Die ÖBB hätte auch die Automaten der DB übernehmen können: Die sind intuitiv zu bedienen und drucken auch aktuelle Fahrpläne.
    - Eine gute Idee wäre es auch gewesen, ICE zu kaufen und nicht die weniger bequemen (und sicher teureren) Railjets zu entwickeln.
    - Aber bevor man Gutes aus Deutschland importiert, macht man es lieber selbständig schlechter.
    - Das gilt nicht für Autos. Obwohl - wie würde wohl ein österreichisches Auto aussehen (und fahren)?

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