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Randerscheinung: Bart

22.04.2017 | 09:39 |  von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Es hat natürlich längst einen ziemlichen Bart, Haare im Gesicht zu tragen.

 

Schauspieler tun es, Studenten tun es, Angegraute tun es, Angetraute tun es, Milchbubis und Machos, Eitle und Faule tun es. Und Kolumnisten tun es natürlich auch. Man sieht zarte Flaume, borstige Gestrüppe, ölige Kreationen und jede Form der Teilbehaarung. Für Männer, deren aufregendste modische Abenteuer bisher darin bestanden haben, Anzüge mit ein bisschen mehr oder weniger Stoff zu tragen, und darunter Hemd, Rollkragenpullover und T-Shirt zu variieren, wäre das mit dem Bart als Stylingvariante alleine schon eine ziemlich aufregende Sache. Dazu kommt noch, dass in meiner Generation das Nichtrasieren verpönt und ausschließlich Polizisten, Geografielehrern und dem Räuber Hotzenplotz vorbehalten war. Man konnte sich zwar zwischen Nass- und Trockenrasur entscheiden, das Ob stand aber eigentlich nicht zur Debatte.

Deshalb haben viele von uns sich in ihrem ganzen Leben nie länger als die berühmten drei Tage nicht rasiert. Das sollten bitte auch jene Frauen bedenken, die dem erhöhten Bartaufkommen augenverdrehend bis ironisch-zwinkernd gegenüberstehen. Und sich nicht ganz zu Unrecht über das Gekratze beklagen. Was aber völlig vergessen wird: Der Bart ist, ab einer gewissen Länge jedenfalls, nicht in erster Linie eine optische Geschichte für das Umfeld, sondern ein haptisches Erlebnis für den Bartträger selbst. Mit Haaren im Gesicht fühlt sich die Welt nämlich ganz anders an: der Wind, die Sonne, die Kälte, die Lippen, der Polster, die Spaghetti, das Wasser, man selbst, die anderen, alles eben. In diesem Sinn hat der Bart tatsächlich eine bewusstseinserweiternde Seite. Ich bitte also um Verständnis und ein wenig Geduld. Bald werden ohnehin wieder alle rasiert sein. Auch die Kolumnisten

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