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Randerscheinung: "Wie haltet ihr das aus?"

01.03.2018 | 21:19 |  Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Vielleicht sucht sich der Älteste ja einmal ein wärmeres Platzerl zum Leben.

Bild: DiePresse-Schaufenster 

"Habt ihr euch eigentlich nie überlegt, aus Österreich wegzugehen?", fragt mich der Älteste neulich. Wieder einmal. Anlass sind nicht die politische Entwicklung, die wacklige Pensionspyramide oder die Nichtqualifikation für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft, sondern wie immer: das Wetter. Von einer Woche Dauerfrost ist in der Prognose die Rede, für Ostösterreich ohnehin das erste Mal in diesem Jahr. Doch für den Ältesten, der schon als kleines Kind Kälte nicht gemocht und auch das Skifahren bei erster Gelegenheit eingestellt hat, reicht das: "Wie haltet ihr das aus?" Ich fange also an zu sagen, was ich immer sage. Ein bisschen was vom Reiz der Jahreszeiten und der daraus resultierenden Abwechslung, Vorfreude auf das jeweils andere inklusive; etwas über den Vorteil eines Lebensraums mit abwechslungsreicher Topografie inklusive Bergen und Seen; den Luxus von viel gutem, sauberem Wasser und üppiger Vegetation, die nun mal nicht zu bekommen sind, wenn es immer 40 Grad hat und die Sonne scheint.

Und über die begünstigte Lage Wiens im Besonderen, mit wenig Niederschlag, viel Sonne, dazu Meer und Berge relativ in der Nähe, auch wenn man diese Vorteile zugegebenermaßen mit drei lichtlosen Nebelmonaten pro Jahr bezahlen muss. Irgendetwas in Richtung "Außerdem gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung" verkneife ich mir gerade noch. Das ist ein Satz, dem man im Westen schwer entkommt, den man aber tunlichst nicht an die nächste Generation weitergeben sollte. Wirklich überzeugt schaut der Älteste jedenfalls nicht aus. Eigentlich nicht einmal ein bisschen. Na ja, vielleicht sucht er sich ja einmal ein wärmeres Platzerl zum Leben. Ich würde ihn jedenfalls schon besuchen kommen, wenn es bei uns gerade wieder kalt, dunkel und nebelig ist.

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