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Nicole Beutler und ihr Image: „Will nicht immer ins Kostümchen“

04.01.2013 | 16:21 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Schauspielerin Nicole Beutler steht wieder in Wien auf der Bühne. Und erzählt im Interview mit der "Presse" von der Krise in der Branche und dem Kampf mit Schubladen und Society-Image.

Der Herr Ober im Café Bellaria blickt streng, als der Fotograf seine Gerätschaft auspackt. Aber dann kommt Nicole Beutler. „Warum“, fragt der Herr Ober, „haben Sie das denn nicht gleich gesagt?“

Die Schauspielerin, seit ihrer Hauptrolle in „Schlosshotel Orth“ einem breiteren Publikum bekannt, betrachtet das Café hinter dem Naturhistorischen Museum als ihr erweitertes Wohnzimmer. Sie hat einen langen Tag hinter sich, steckt mitten in Proben, fragt sich, wie sich das alles ausgehen soll. Und bestellt sich einfach einmal einen Kakao.

In knapp zwei Wochen hat Beutlers neues Stück im Stadttheater Walfischgasse Premiere: „Betrogen“ von Harold Pinter, ein Kammerspiel über „komplexen Verrat“, erzählt in höflich-englischem Alltagsdialog. Nach Rollen etwa am Landestheater Niederösterreich ist es nach sechs Jahren das erste Mal, dass sie wieder in Wien auf der Bühne steht. „Einmal im Jahr“, sagt sie, spiele sie eine „schöne große Theaterrolle. Das Theater ist mir sehr wichtig, ich komme vom Theater, es ist das Handwerk.“

Den Rest der Zeit hält sich die 43-Jährige für Dreharbeiten frei. Die Wirtschaftskrise: Drehs würden inzwischen oft so kurzfristig angesetzt, „dass man keine Chance hat, wenn man fix an einem Haus ist“. Auch die Gagen seien zurückgegangen. „Tagsüber in Köln zu drehen und am Abend daheim auf der Bühne zu stehen – das spielt's heute nicht mehr.“

Regelmäßig plant die erklärt „frankomanische“ Wienerin inzwischen auch Chanson-Abende ein, seit sie 2008 erstmals damit aufgetreten ist. „Gelauert“ hätten Presse und Kollegenschaft damals, nicht alle wohlmeinend – „wir sind in Wien“! Der Erfolg war groß und brachte ihr eine zweite Berufsbezeichnung ein. „Das freut mich wahnsinnig.“ Ideen für einen neuen Abend hat sie viele, eine CD sei im Gespräch.

Ebenso habe sie Stoff für einen österreichischen Spielfilm, „den ich gerade an den Mann zu bringen versuche“. Das Drehbuch müsste dabei jemand anders übernehmen – „ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann“. Die Hauptrolle würde sie gern selbst spielen. „Es wäre etwas ganz Neues, so hätte man mich noch nicht gesehen.“
Mit ihrem Image, den Schubladen, in denen sie landet, kämpft die einstige Serienheldin bis heute. „Ich krieg immer die toughe, geradlinige. Anwältinnen, Ärztinnen, immer im Kostümchen, immer adrett.“ Auch deshalb möge sie das Theater so gern. „Da kann ich die Charakterrollen spielen, die ich im Fernsehen nicht angeboten bekomme, in Österreich schon gar nicht.“ In Deutschland sei man da etwas mutiger, weshalb sie gerade auch zu einer deutschen Agentur gewechselt sei. „Beruflich“, sagt sie, die nach der Schule nach Paris und Deutschland geflohen ist, „zieht es mich gerade eher wieder weg.“ In Österreich habe man, wenn man in einer Sache erfolgreich war, sofort einen Stempel. „Deshalb mag ich es, Haken zu schlagen.“

Auch der Ausflug zu den „Dancing Stars“ sei ein solcher Haken gewesen. „Die Kritik habe ich bewusst in Kauf genommen. Ich wollte zeigen, dass man nicht alles so eng sehen soll.“ Auch nicht, dass die gebildete Vielleserin mitunter in Produktionen „mit nicht wahnsinnig viel Tiefgang“ auftritt. „Wenn ich es mache, stehe ich dazu. Ich muss ja meine Miete zahlen. Den Spagat zwischen E und U, den man mir vorwirft – den mache ich ganz bewusst.“

So, wie sie inzwischen auch dazu steht, sich nach privaten Opernbesuchen etwa bei den Salzburger Festspielen am nächsten Tag im Abendkleid in der Zeitung zu sehen. „Es gab eine Zeit, in der ich überlegt habe, die Hintertür zu nehmen, nur damit kein Regisseur die Nase rümpft. Aber ich gehe gern in die Oper, und ich trage gern schöne Kleider – warum soll ich mich für die Öffentlichkeit verstellen?“ In Hollywood, sagt Beutler, dürften Schauspieler auch über den roten Teppich gehen und danach wieder an ihre Arbeit. „Nur hier wird man sofort in die Society-Schiene gedrängt – mit dem impliziten Hinweis: Vorsicht, Kultur findet nicht statt . . .“

Zur Person
Nicole Beutler (43) wurde in Wien geboren und in Ballett ausgebildet. Ein Unfall verhinderte die Tanzkarriere, sie schwenkte auf Schauspiel um. 1996 wurde sie mit „Schlosshotel Orth“ zum Fernsehstar. Sie spielte u. a. in „Die Landärztin“, aber auch in Filmen wie „Klimt“ mit John Malkovich. Ab 16. Jänner spielt sie im Stadttheater Walfischgasse unter der Regie von Werner Schneyder in Pinters „Betrogen“. Chansons singt sie am 24. Jänner im KUZ Eisenstadt und am 30. Jänner im Theater Akzent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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