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Unsichtbare Hochkaräter

14.04.2017 | 13:53 |  Christina Lechner (Die Presse - Schaufenster)

Schmuckmarken erweitern ihr Produktportfolio um Kopf- und Herznoten: mit eigenen Parfums.

 

Erinnerungen wecken, Aufmerksamkeit erregen und etwas über den Charakter des Trägers verraten. Wenn man es genau betrachtet, dann sind sich Parfums und Schmuck gar nicht so unähnlich. Wobei funkelnde Preziosen gleich ins Auge stechen, Kopf-, Herz- und Basisnoten auf nicht sichtbarer Ebene operieren.

Liaison. Dass Juwelen und Parfums gut zusammenpassen, hat man jedoch erst relativ spät bemerkt. Während die Liaison aus Mode und Parfum schon seit mehr als 100 Jahren besteht – Couturier Paul Poiret machte 1911 den Anfang –, haben Juweliere ihren duften Geschäftssinn erst in den 1970er-Jahren entdeckt. Und dass daraus ein eigener Geschäftszweig wurde, ist eher Zufall. Zu Beginn verschenkte man Parfums an die betuchte Kundschaft oder verkaufte sie ausschließlich in den Boutiquen. 1976 machte der Duft „First“ des Pariser Juweliers Van Cleef & Arpels den Anfang. Parfümeur Jean-Claude Ellena – er ist einer der berühmtesten Parfümeure der Welt und die „Hausnase“ von Hermès – kreierte den Duft. Die Idee dazu hatte Pierre Arpels, der sich ein Parfum wünschte, das ebenso facettenreich wie seine Schmuckkreationen ist. Optisch sollte das Parfum den Juwelen natürlich auch nicht unähnlich sein. So soll der Flakon mit der angedeuteten Schleife einen Ohrring darstellen.

Unsichtbare Hochkaräter: Unsichtbare Hochkaräter

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Flakon-Kunst. Nur wenige Jahre später – genauer gesagt 1981 – folgte Cartier dem Beispiel seines Konkurrenten. Die üppigen orientalischen Noten von „Must de Cartier“ wurden von Jean-Jacques Diner zusammengestellt. Nicht nur auf die richtige Duftkomposition, auch auf die passende Flakon-Präsentation legt man heute bei dem limitierten Neuzugang „La Panthère Eau de Parfum“ Wert. Der Kopf eines Panthers, der sich hinter goldenem Gras verbirgt, wurde dabei ins Glas geschliffen. Eine Geraniennote und samtiger Moschus verbergen sich im Inneren.
Ein Spätzünder, wenngleich auch ein höchst erfolgreicher, ist Bulgari. Erst in den 1990er-Jahren begann sich das römische Schmuckunternehmen mit Düften auseinanderzusetzen; vom Parfummarkt ist das riesige Sortiment des Unternehmens heute nicht mehr wegzudenken. Begonnen hat alles 1992 mit „Eau Parfumée au Thé Vert“, das zuerst an Freunde des Hauses verschenkt wurde. Der Duft mit Grüntee, der übrigens ebenfalls von Jean-Claude Ellena kreiert wurde, war jedoch so ein großer Erfolg, dass er sich schnell in Parfümerien wiederfand. Die neueste Kreation aus dem Hause Bulgari ist der Herrenduft „Aqua Atlantique“ mit „Meeresamber-Akkord“ von Parfümer Jacques Cavallier.

Seither erweitern immer mehr Juweliere ihr Sortiment um Duftnoten und betreiben damit ein lukratives und erfolgreiches Nebengeschäft. Geschmeide um mehrere Tausend Euro sind schließlich nicht so schnell gekauft wie ein Parfum. Frey Wille startet mit zwei neuen Düften („Le Sphinx“ und „Pour Homme“) in die neue Saison, bei Thomas Sabo ist „Eau de Karma Happiness“ neu im Sortiment. Bei der Flakongestaltung hat man sich mit „Karma Beads“ (Thomas Sabo) und „Sphinx“ (Frey Wille) erwartungsgemäß stark an den Schmuckstücken orientiert. 

 

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