Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Stilfigur: Daybed

25.05.2016 | 13:45 |  von Norbert Philipp (Die Presse - Schaufenster)

Die Liegewiesen draußen lassen uns im Stich. Besser gesagt: das Wetter lässt die Liegewiesen im Stich.

Bild: (c) Beigestellt 

Sattgrün sind sie, dafür aber auch patschnass. So muss man sich selbst wieder im Inneren etwas mit den Mitteln des Designs beweisen. Nämlich, dass Liegewiesen ja gar kein Gras brauchen und Liegeinseln keinen Sand. Man breitet einfach ein paar schöne Möbelentwürfe zu Hause aus. Zum Glück haben es auch die Hersteller begriffen: Horizontale Flächen sind keine Nutzflächen, die nur im Dunkeln funktionieren. So verheißungsvoll wie „Daybed“ muss man als Möbeltypologie erst einmal klingen (siehe Bild: „Suita“ von Vitra) Dabei klingt das noch ein bisschen zu sehr angezogen, zumindest zu formell angezogen. Aber selbst das Bett, das automatisch ein Pyjama-Feder-Weichheits-Universum im Hirn triggert, wagt immer öfter den Schritt ans Tageslicht. Manchmal sogar in Räume, die „Schlaf“ gar nicht mehr im Namen tragen. Das Bett wird Wohnfläche. Alles, was man auf dem Boden, Sofa, Tisch kann, kann man nun auch auf der Matratze tun, legitimiert von den Wohnkonzepten internationaler Designer. Hauptsache, das Bett ist schön genug, dass man es auch seinen Gästen im Wohnzimmer ästhetisch anvertrauen will. Das Bett ist das neue Sofa. Es rückt von der Wand in den Raum. Und spricht so stumm gleich noch mehr Einladungen aus, die Tagesfreizeit im Liegen zu verbringen, beim An-die-Decke-Starren. Und spüren, wie eine zarte Anmutung von Langeweile aufkommt, ein längst verlorenes Gefühl, das man fern noch von den elendslangen Sommerferien kannte.

Weitere Kolumnen finden Sie auf
Schaufenster.DiePresse.com/stilfigur

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Meistgelesen
    Als Gast kommentieren

    ...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

    *... Pflichtfelder

    Sicherheitscode

    >>>
    Schwer lesbar? Neuen Code generieren

    Verbleibende Zeichen

    Lesen Sie mehr

    • Im Bett mit Lena Hoschek und weitere delikate Fragen

      Designerin Lena Hoschek entwirft Retro-Bettwäsche für eine Linzer Textilmarke. Das tut sie auch, um ihre Bekanntheit zu steigern, wie sie zugibt.
    • Fahrräder: Trends, die ins Rollen kommen

      Unterwegs zum Sehnsuchtsort: Der Liebe zum Fahrrad und was daraus werden kann, geht eine Ausstellung nun auf die Spur.
    • Aus Beton: Die Liebe zur Rohfassung

      Am Georgenberg in Wien türmen sich die Klötze: Die Wotrubakirche als Bollwerk aus Beton. Den meisten Architekturen des „Brutalismus“ schlägt weniger Zuneigung entgegen als dem ikonischen Gotteshaus aus den 1970er-Jahren.