Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Stilfigur: Kraft des Wortes

21.11.2017 | 08:29 |  Norbert Philipp (Die Presse - Schaufenster)

Wörter sind nun mal vorwiegend körperlos.

Bild: (c) Beigestellt 

Die Buchstaben geben ihnen Form, die Rhetoriker Wirkung, die Letterpress-Maschinen den haptischen Nachdruck. Designlabels fräsen aus Holz dreidimensionale Lieblingswörter wie „Sonnenschein“ und „Papperlapapp“. Früher wurden Wörter noch in Stein gemeißelt. Heute verschwinden sie, wenn der Akku leer ist. Den Wörtern neues Gewicht verleihen, das haben sich auch Gestalter vorgenommen. Nicht nur jene, die Wörter sammeln, ordnen, arrangieren und in japanischer Fadenheftung zusammenfassen. Oder jene, die Visitenkarten produzieren, auf denen man einschlafen möchte, weil sie so weich sind. Und gleichzeitig so dick wie Rigipsplatten, die unseren Lebensraum umzingeln. Da sind noch die Architekten, die dem Körperlosen ganze Baukörper widmen. Orte, die erstaunen, Orte, an denen sich das Ganz-klein-Fühlen ausnahmsweise ganz groß anfühlt. Der alte Lesesaal der Nationalbibliothek in Wien ist so ein Raum. Zu den schönsten Machtdemonstrationen der Architektur geraten eben immer wieder jene, die die Kraft des Wortes beschwören. Das niederländische Büro MRVDV hat das Spektakulär-Zeichenhafte längst in seinem Gestaltungsvokabular. Und chinesische Stadtverwaltungen lassen budgetär noch zu, Größe auch durch Größe auszudrücken. Die Bibliothek in Tianjin (Bild), kürzlich eröffnet, ist so ein Beispiel. Dass Architektur mehr sagt. Als nur Worte.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Meistgelesen
    Als Gast kommentieren

    ...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

    *... Pflichtfelder

    Sicherheitscode

    >>>
    Schwer lesbar? Neuen Code generieren

    Verbleibende Zeichen

    Lesen Sie mehr

    • Im Bett mit Lena Hoschek und weitere delikate Fragen

      Designerin Lena Hoschek entwirft Retro-Bettwäsche für eine Linzer Textilmarke. Das tut sie auch, um ihre Bekanntheit zu steigern, wie sie zugibt.
    • Fahrräder: Trends, die ins Rollen kommen

      Unterwegs zum Sehnsuchtsort: Der Liebe zum Fahrrad und was daraus werden kann, geht eine Ausstellung nun auf die Spur.
    • Aus Beton: Die Liebe zur Rohfassung

      Am Georgenberg in Wien türmen sich die Klötze: Die Wotrubakirche als Bollwerk aus Beton. Den meisten Architekturen des „Brutalismus“ schlägt weniger Zuneigung entgegen als dem ikonischen Gotteshaus aus den 1970er-Jahren.